Ins Hoteeeeel?

Posted by – 6. Oktober 2008

Das dachte ich mir Sonntag Abend. Eigentlich wollte ich ja nach Brüssel, und nicht in Genf ins Hotel. Aber erstens kommt es anders und so weiter…

Die ganze Geschichte von Anfang an:

Vom 6.-10. Oktober ist beim VKI in/bei Brüssel ein Lehrgang zum Thema Strömungsmesstechnik. Da hat $CHEF mich hingeschickt. Brav wie ich bin, buchte ich also einen Flug für Sonntag hin, Freitag zurück,und ein Hotel. Im Hotel meine Kreditkartendaten hinterlassen, damit ich auch Abends um 8, als ich anzukommen gedachte, mein Zimmer sicher bekomme. So weit, so unspektakulär. Sonntag mittag hab ich mich dann mit vierrädrigem Premiumschrott zum Flughafen chauffieren lassen, war natürlich viel zu früh da, aber besser als zu spät. Oh, ich hab hinwärts ja nen Zwischenstopp in Genf. Drum dauert das so lang, alles klar. Also Check-in, durch die Sicherheitskontrolle, noch ein Buch gekauft, dass mir nicht so langweilig wird. Vielleicht hätte mich der Titel stutzig machen sollen: „mieses Karma“, ich glaube ich habe hellkäuferische Fähigkeiten.
(Ist übrigens auch ein mieses Buch, Empfehlung: nicht kaufen) Der Flug nach Genf war dann bis auf die immer noch zunen Ohren klasse. Richtig gute Sicht auf die Alpen, und Fliegen ist eh geil. Beschleunigt wie ein Motorrad, nur läääääänger.

In Genf kam ich dann an und suchte das Gate für meinen Anschlussflug, der um 17:30 starten sollte, Boarding um 17:00. Gate gefunden, halb fünf, Buch rausgezogen.

Es wurde 5. Nichts rührte sich am Schalter.

Es wurde Viertel nach 5. Nichts rührte sich am Schalter.

Es wurde 20 nach 5. Es kam eine gerade noch so verständliche Ansage, der Flug würde sich verspäten. Also gut, weiterlesen, Zimmer im Hotel ist ja gesichert, keine Hektik.

Irgendwann gegen 6 Uhr fingen Diskussionen am Schalter an, also mal hingelauscht. „technische Probleme“… „Verspätet sich“.. „Ja, fliegt…“ also weiter warten.

18:30: es gibt Gutscheine für alle. 5 Sfr im Flughafenrestaurant. Ein schlechter Witz, das reicht grade mal für eine Flasche Cola. Zumal es um 19:30 erst weitere Informationen geben soll. Wohlgemerkt, keinen Flug, weitere Informationen.

19:30: Der Flieger fliegt aller Wahrscheinlichkeit nach nicht. Business-Klasse und Leute, die den Flug mit Visa Gold oder was auch immer gebucht haben, werden in einen anderen (den letzten) Flug nach Brüssel verschoben, da ist noch Platz. Dann großes Palaver auf Französisch, von dem ich nur die Hälfte verstehe, aber es geht darum, dass 3 Freiwillige gesucht werden, die die Nacht in Genf verbringen, sonst muss per Zufall entschieden werden. Non, Madame, für so nen Scheiß meld ich mich nicht freiwillig. Das sahen alle so, und so wurde per Zufall entschieden. Und was entschied der Zufall? Ich bin einer der drei glücklichen Verlierer, die ins Hotel müssen („mieses Karma“, remember?). Na super. Oh, ein Lichtblick: um 20:30 entscheidet sich, ob der Flug nicht vielleicht doch geht. Es ist ein technisches Problem, das doch ernster war als anfangs gedacht und bis 20:30 wird noch gebasteltrepariert.

Lassen Sie mich durch, ich bin ArztLuft- und Raumfahrttechnik-Ingenieur! Keine Chance, ich muss weiter warten. Währenddessen erklärt mir die nette Dame, wenn der Flug nicht geht, krieg ich ein Zimmer im Hotel, Abendessen und Frühstück, Shuttleservice und den ersten Flug Montag morgen nach Brüssel. 6:40. MWAHAAA, repariert die Kiste! Bitte!

20:30. Der Flug findet nicht statt, wir (Die zwei anderen Pechvögel und ich) werden durch den halben Flughafen geführt zu einer etwas älteren Dame die uns neue Tickets ausstellt und uns dann mit vager Wegbeschreibung losschickt, den „Gutschein“ abzuholen. Ok, den nächsten Schalter gefunden, da bekommen wir einen Gutschein fürs „Crowne Plaza“, inkl. Shuttle, Frühstück und Abendessen. Und die Aussage, unser Gepäck können wir nicht haben, das sei nämlich ohne uns schon nach Brüssel weitergeflogen. Morgen dann in Brüssel beim Baggage tracing nachfragen. (Ich hätt‘ sooo gerne ne Truhe aus intelligentem Birnbaumholz *soifz*), Dafür gab es dann ein „emergency toilet kit“, mit Zahnbürste, -Pasta, Shampoo, Rasierzeug und einem weißen T-Shirt in XXL. Naja, wenigstens taugt die Tasche was.

So sei es denn. Wir ziehen zum Shuttle, werden eingepackt und ins Hotel gefahren. Dort eingecheckt, und gleich mal die zwei ersten Überraschungen:

  • a) „Abendessen“ bedeutet nicht „suchen sie sich was schönes aus, die Airline bezahlt’s dann“, sondern „Gutschein über 35 Sfr, einzulösen im Hotelrestaurant“.
  • 2. Natürlich gibt es WLAN auf dem Zimmer. 1 Stunde 10 Sfr, 3 Stunden 22 Sfr und 24… das wollte ich dann nicht mehr wissen. Das nenn ich mal fünf-sterne-Service. Als wär das Zimmer (für die Airline) nicht schon teuer genug, wollen sie auch noch für Internetzugang Geld haben. Abzocke.

Nungut, ab aufs Zimmer. Oh ein Fernseher. Oh, der hat auch Musik. Rock, gute Idee. Wie, 16 Sfr? Gut, keine Musik. Essen, ab ins Restaurant. Freundlichst zum Tisch geführt worden, und die Karte in die Hand gedrückt gekriegt. Auf mein „Un Coca, svp“ hat der Bedienerich die Weinkarte dezent wieder mitgenommen. Ich blieb also allein mit der Speisekarte und meinem Schreck: Salate ab 20 Sfr und nichts essbares unter 30. Ok, ein Clubsandwich mit Pommes für 30 Sfr bestellt. War sehr lecker und reichlich, und mit dem Gutschein zahlte ich dann für Cola und Essen nur 0,5 Sfr. Geht zwar noch, trotzdem halte ich für sowas die Aussage „sie kriegen ein Essen von uns“ doch etwas hoch gegriffen. Also wieder aufs Zimmer (übrigens absolut geschmacklos und mit mittelhellem Holz eingerichtet), ab ins Bett und schlafen, bis um 4:30 der Wecker klingelt. Dusche, sämtliche Handtücher einsauen bis zum Gehtnichtmehr (Ohrenschmalz macht bööse Flecken), und runter zum… äh, Frühstück gibt’s erst um 5:30? Toll, da fährt mein Shuttle. Na gut, kein Frühstück, nochmal ein Handtuch mit den Haaren nass machen und zum Checkout.

Ab zum Flughafen, alles reibungslos abgelaufen, im Flugzeug gab’s dann sogar doch noch ein Frühstück, und um 8 Uhr in Brüssel gelandet. Ab zum baggage tracing. „Wir haben ihr Gepäck nicht“ Ws? „Geben sie doch mal Bordkarte etc….. also, mein System zeigt an, dass ihr Gepäck heute mit ihrem Flieger mitkam. Liegt jetzt auf dem Gepäckband.“ Das war dann auch so. Kurz gesagt, waren die in Genf wohl einfach zu faul, meine Tasche rauszusuchen und ich durfte ohne frische Wäsche und mein ganzes Zeug ins Hotel. Super. Danke. Das nenn ich doch mal Service. Miesen Service. Naja, Gepäck geschnappt und raus, es war ja schon 8:20.

Der Lehrgang sollte um 8:45 beginnen, etliche km südlich vom Flughafen.

Und Bus/Bahn streikte. Also Taxi nehmen, bleibt ja nichts anderes.

Dummerweise war ich nicht die einzige, die diesen Gedanken hatte. Es dauerte eine gute Stunde, bis ich dann endlich ein Taxi hatte. Was die Fahrt kostete, hab ich verdrängt, aber es war noch zweistellig. Ich hoffe, $Uni zahlt das wegen fehlender Alternative.

Danach war alles sehr entspannt. Ankunft am VKI, Unterlagen gekriegt und verspätet (10:30) ab in den Lehrgang. Mittagessen war sehr lecker (und inklusive), Tee, Chips etc. auch, und um 6 ging es dann mit dem Shuttlebus zurück nach Brüssel, wo ich ins vorher gebuchte Hotel ging und mich sehr darüber freute, dass meine Reservierung noch Bestand hatte.

Noch kurz erschrocken, dass ich ein Doppelzimmer habe, aber da nur der Preis fürs Einzelzimmer berechnet wird, soll mir der zusätzliche Platz nur recht sein. Nun sitz ich hier in der Lobby, und freue mich über das kostenlose WLAN, dessen einziger Wermutstropfen ist, dass im Zimmer kein Empfang ist. Das Hotel behauptet zwar nicht, in der 5Sterne-Kategorie zu sein, und es hat ein paar Schönheitsfehler im Zimmer, aber irgendwie fühle ich mich heute, mit Gepäck, ohne Abzocke und endlich angekommen, deutlich wohler. Besser wird’s wohl erst am Freitag. Da flieg ich heim.

Direktflug.

3 Comments on Ins Hoteeeeel?

  1. Na da lob ich mir, daß bei all den Abenteuern, die ich mir mit der Bahn erleben durfte, daß man am Boden wenigstens sein Gepäck am Mann hat.
    Das mit dem WLAN ist so eine Sache, ja. In Kiel wurde vom Hotel auch geworben, daß man freinen WLAN-Zugang im Hotel hat. Ja, bis zur Startseite eines lokalen Internetanbieters auf der einem eine stadtweite Flatrate für 24 oder 72 Stunden oder gar einen Monat für teures Geld angeboten wurde. Gut, der Monat war nicht sooo teuer, aber ich war da nur ne knappe Woche.
    Egal, wenigstens hast Du Rasierzeug bekommen 😉

  2. Ela sagt:

    Wie man sieht, bist Du doch ein richtiges Weibchen….. Freust Dich über ne neue Tasche *g*
    Halt die Ohren steif, die Woche schaffst Du auch 😉

  3. die maschinenbäuerin sagt:

    Adaptivbrüderli: Das WLAN hier ist wirklich völlig kostenlos, man muss sich nur in die Hotellobby setzen, und der einzige Ort mit Strom ist nicht so gaaanz gemütlich. Aber ansonsten, super.

    Ela: Das ist ne superpraktische Tasche zum aufhängen und aufklappen. So eine wie die hier: http://www.jack-wolfskin.com/jw_catalog/images/globals/spc_1x1trans.gif und seit ich in Brüssel bin, läuft es eigentlich ganz gut, ich hab heute sogar nen Optiker gefunden und konnte meine Kontaktlinsen heut abend rausnehmen und in die frische Reinigungslösung legen. Tut gut, so nach anderthalb Wochen.