Genau, genauer, ablesegenau…

Posted by – 18. März 2009

Ich saß heute im Büro und quälte mich durch Praktikumsprotokolle. Und ich fragte mich, was, bzw. ob die Studenten beim Schreiben der Auswertungen gedacht haben.

Abgesehen davon, dass da munter die falschen Drücke eingesetzt, ganze Seiten aus dem Skript abgeschrieben1 und munter physikalische Größen umdefiniert2 oder verwechselt3  sicher nicht 1,schlagmichtot Pa (zur Erinnerung: 1 bar = 100.000 Pascal) )), regte mich eins besonders auf. Was das war?

Die vorgetäuschte Genauigkeit der Ergebnisse. Da wurden Ergebnisse auf drei, vier, gar fünf Nachkommastellen „genau“ angegeben. Warum das ein Problem ist? Nuun, nehmen wir mal die Bestimmung des Differenzdrucks zwischen Prüfraum und erster Druckmessstelle. Der wird mit einem wassergefüllten U-Rohr-Manometer bestimmt. Auf der einen Seite der Prüfraumdruck, auf der anderen die erste Druckmessstelle. Abgelesen wird die Höhe der Wassersäule vor einem Lineal mit Millimeterteilung. Es wird links und rechts ein Wert abgelesen, und die Differenz ermittelt. wir haben also auf beiden Seiten schonmal +/- 0,5 mm Ungenauigkeit. Dazu kommt der berühmte Meniskus4: Das Wasser steht nicht völlig eben im Rohr, sondern „klettert“ aufgrund der Adhäsion und Oberflächenspannung am Rand nach oben, so dass eine gewölbte Oberfläche die Ablesung nochmal erschwert. Die Ablesung kann also locker mal einen mm in der Differenz danebenliegen. Ein mm entspricht aber fast 10 Pa5. So. Und damit wird dann fröhlich gerechnet, und die Ergebnisse auf ,xyzab Pa genau angegeben.

WAAAAH! DENKEN! Wie wärs mal mit DENKEN?

Eine Gruppe hat mir dann aber doch den Glauben an das Hirn im Studenten wiedergegeben. Alle Rechenschritte nachvollziehbar, mit Erklärung, richtig, und wenigstens bei den Drücken nur eine Nachkommastelle. Vielleicht besteht für manche ja doch noch Hoffnung.

  1. und dann ausgerechnet die hergeleitete Formel falsch, alles andere Wort für Wort, das muss man auch erstmal hinkriegen… []
  2. Ich erfuhr, dass 0,9552 bar 9552 Pa sind. Komisch, ich dachte immer, der Faktor wäre 100.000 []
  3. Nein, meine Herren und Damen, wenn schon der statische Druck knapp ein Bar ist, ist der Totaldruck ((Für die Laien: der ist nie kleiner, maximal, bei ruhender Luft, gleich []
  4. Halbmond []
  5. p=F/A=m*g/A, mit m=rho*A*h gibt das p=rho*g*h, mit rho ungefähr 1 g/ccm und g  9.81 m/s²  -> 1mm WS = 9,81 Pa []

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