Eine neue Navigationsmethode

Posted by – 16. Juli 2017

„Aus dem Bauch raus, mit Notfallplan“

Man nehme:

  • Einen festgelegten Zwischenstopp, den man an dem Tag machen will, beispielsweise ein Dorf bei Landshut.
  • Viel Zeit und den festen Vorsatz, viele Kilometer Straße zu befahren
  • Ein neues Motorrad ohne Navihalter
  • einen Orientierungssinn der gleichen Güteklasse wie meiner1
  • ein Smartphone
  • Und ein Cardo Scala Rider

Genaues Vorgehen: Man denke sich beim Fall Landshut „so grob Nordosten“ und fahre los. Biege immer dann ab, wenn man ein Schild erkennt, von dem man entweder meint, den Namen hätte man schon mal gehört und es könne grob in der richtigen Richtung liegen oder wenn ein Schild sich so liest als wäre das ein kleines Nest mit einer lustigen Straße dorthin.

Diese Taktik führt dann dazu, dass man nach ca. 150 km das erste Mal auf einem Ortsschild „Landkreis Rosenheim“ liest. Upsi. Dass das nicht in der gleichen Richtung von zuhause wie Landshut liegt, ist sogar mir klar. Da muss ich wohl ein Stückchen weiter nach Norden. Nach 5 weiteren Abbiegevorgängen trifft man auf ein Schild, dass nach links Landshut und nach rechts 15 km bis Rosenheim ankündigt. Ja Hoppala. Aber jetzt ist wenigstens eindeutig klar, wie es weitergeht. Also kurze Pause, ein wenig Nikotin in die Lunge gefüllt, auf dem Smartphone die Zielführung zur Adresse einschalten, und dem Exkollegen bescheid geben, man brauche noch so ungefähr anderthalb Stunden, vielleicht auch ein wenig länger, falls man die Anweisungen des Navis zugunsten einer nett aussehenden Straße ignorieren muss. Es wurden dann Eindreivertelstunden, passt schon.

Sodann lasse man sich das Schloss  Haus zeigen2 und setze sich mit $Exkollege, dessen Frau und einigermaßen neuem3 Kind in den Garten, wo man Tee trinke, Kekse und Eis verzehre und sich über dies und jenes unterhalte.

Kleiner Exkurs zum Kind: Ich komme ja nicht so wirklich mit Kleinkindern klar, die grinsen einen immer komisch an, und dann weiß ich nicht was ich tun kann. Die Kleine vom Exkollegen ist da anders: Erstmal werde ich finster angestarrt: Wer ist das? Warum ist sie hier und muss das sein? Berufswunsch Türsteher? Saucool irgendwie. Beim Essen erstmal die Serviette zerrupfen und auf den Boden werfen, und dann ständig Sachen an Mama geben, wieder zurückwollen, an Mama geben, wieder zurückwollen… da sich das alles auf der anderen Seite des Tisches abspielte: äußerst unterhaltsam. Socken sind wohl auch nicht ihr Ding, das Spiel „Wir ziehen Dir die Socken an und Du rupfst sie Dir prompt wieder von den Füßen“ wurde ca. 20mal gespielt, bis die beiden irgendwann entnervt aufgaben.  Kurz vor dem Aufbruch war dann auch ich mal dran. Ich wurde zwar immer noch ein wenig finster angeblickt, aber kind reichte mir Bändel mit Klett dran. Bekam es zurück, reichte es mir wieder, in der Erwartung, den Klett wieder verschlossen zurückzukriegen. Denkste! Du hast Dir die Socken ausgezogen, also kommt der Klett um den großen Zeh. Schien nicht so schlimm zu sein, schwubbs wurde mir wieder der Klett gereicht. Wieder um den Zeh, wieder abgerupft und mir hingehalten. Ich glaube die Kleine hätte das noch Stunden gemacht, aber ich musste ja weiter.

Da Landshuter Hochzeit und Landshut damit für motorisierten Verkehr nicht sinnvoll durchfahrbar ist, erstmal weiträumig nach Norden und wieder per Bauch. In Straubing merkte ich dann, ich fahre allmählich Murks zusammen, bin nicht mehr so ganz fit, und brauche noch eine Pause. Tante Google meinte dann, über Autobahn wären es knapp 150 km und anderthalb Stunden nach hause, was mir in Anbetracht der Linie, die ich ein den letzten paar Kurven hingelegt hatte, die gesündeste Option erschien. Spaß macht die Duke auf der Autobahn zwar nicht, aber wenn man den Hintern ein wenig nach hinten schiebt, kann man den Oberkörper auf dem Fahrtwind ablegen und einfach warten bis man da ist. Jetzt stehen 650 km auf der Uhr, und irgendwie schaffe ich die nötigen 200 weiteren km bis Mittwoch Abend, wenn ich sie zur Erstinspektion bringe, wohl auch noch.

  1. also so richtig richtig mies []
  2. geile Bude, muss ich zugeben []
  3. 13 Monate alt []

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