Die unerwartete Probefahrt

Posted by – 9. Juli 2017

Nach dem R9T-Desaster, das zur Vorbereitung gelesen gehört, steh‘ ich also bedröppelt da. Und nu? 11:05, „Probefahrt“ rum, und immer noch kein neues Motorrad. Elric ist extra zur Niederlassung gekommen. Wir könnten ja alternativ die ausgearbeitete Runde einfach so fahren.

Ja, oder wir fahren zu KTM einen Kilometer weiter, schlägt Elric vor. KTM? Hochbeinige Dinger und Zuwenigzylinder, was will ich denn damit?

Die neue Duke690, ab Werk nicht so hoch wie die Enduros, die hätte ja 75 PS, und es gäbe gerade ein Angebot für 7k€ für das diesjährige Modell. Und es gäbe eine 5 cm1. Also auf die KLE und los, sie auf dem Kilometer zu KTM sicher 5mal gestreichelt, einfach weil sie nicht die R9T ist. Bei KTM kommt dann auch gleich ein freundlicher Verkäufer auf uns zu, und meint, klar kann ich mich mal auf die Duke setzen, schiebt sie mir so hin, dass ich aufsteigen kann und ich schwing das Bein drüber. Vom Seitenständer mit einem leichten Schubs, und…. nur ein Fuß auf dem Boden. Aber irgendwie… ist das gar nicht schlimm. Die Duke ist federleicht, schmal, und trotz deutlich eingeschränktem Bodenkontakt fühle ich mich kein bisschen unsicher darauf, zumindest solange sich nichts bewegt. Elric will mir zeigen, wie es mit noch 5 cm weniger ist, aber da ist der Seitenständer im Weg. Na, dann2 klappe3 ich ihn4 mal… nicht ein. Hallo, Herr Verkäufer, ein wenig Hilfe? Oh, ja, da müsste man dann einen Nippel oder ähnliches dran schweißen. Spricht’s, und klappt den Ständer ein. 5 cm tiefer eingefedert machen es dann nicht schlechter, aber auch nicht deutlich besser, und ich schaue nachdenklich:

Das Ding ist gar nicht so schlecht. Wieso ist es denn bitte nicht ganz fürchterlich? Es ist doch eine KTM, die können doch gar nichts für mich sein! Und dann meint der hinterhältige Verkäufer auch noch, der Vorführer sei frei, und ich soll doch ein Stündchen fahren. Frechheit, nachher stellt sich noch raus, dass meine Vorbehalte völlig unberechtigt sind. Aber na gut. Versuchen kann ich es, schlimmer als Probefahrt von gerade eben kann es ja eigentlich nicht werden.

Und holla die Waldfee, wird das alles andere als schlimm! „nur“ 75 PS, aber auf deutlich weniger Gewicht als KLE, MT09 oder R9T. Der Einzylinder ist auch gar nicht wirklich schlimm, solange man nicht unter 3krpm das Gas voll aufreißen will. Dafür sind die Sitzposition und das Handling genau mein Ding, ähnlich wie bei der KLE, nur eben in richtig gut. Ich kann mir mehrmals ein irres Kichern nicht verkneifen, und bin froh um meine Ohren, die das Grinsen soweit einschränken, dass mein Kopf nicht in zwei Hälften zerfällt. Auf der Hälfte der Strecke hat der Spaß buw. Elrics Vorderreifen dann erstmal ein Loch, nach kurzem Telefonat mit dem ACDC schickt er mich dann wieder Richtung Händler, weil unter einer Stunde wird das nix, und ich muss die Duke ja wieder zurückbringen.5  Testweise rangiere ich ein bisschen6 und steige problemlos mit schon eingeklapptem Seitenständer auf. Niiicht schleeecht. Ohne Navi und Orientierung, aber mit Google Maps per Bluetooth an den Helm gekoppelt finde ich dann auch irgendwie den Weg zurück, inklusive zweier Überholmanöver7 und einem Stückchen Autobahn, was mir eins klar macht: Entweder braucht das Motorrad eine Windschutzscheibe oder das Auto von $Mann eine Anhängerkupplung für längere Strecken, falls ich sie mir kaufe. Das tue ich aber nicht gleich. Nein, ich muss erst noch ein wenig unschlüssig sein, und unterhalte mich mit dem Verkäufer darüber was oder was nicht denn an Zubehör sinnvoll sein könnte, und dass ich nicht weiß, ob ich etwas in der Art MT09 oder etwas in der Art Duke haben möchte und deshalb ausgiebig darüber schlafen muss.

Kurz vor Ladenschluss mache ich mich dann auf den Heimweg. Das bedeutet, erstmal die 200 kg KLE so hinmanövrieren, dass ich auf die Straße komme. Da denke ich mir das erste Mal „Das war mit der Duke aber deutlich einfacher“. Und dann fahre ich los und werde das Gefühl nicht los, irgendwie nicht auf dem richtigen Motorrad zu sitzen. Die Knie sind weit oben, das Fahrwerk KLE-typisch, das Handling nicht so flink wie bei der Duke. Ob ich wohl umdrehen soll? Nein, ich schlafe da erstmal drüber, jetzt fahre ich heim. Was für eine selten dämliche Entscheidung.

  1. !!!11einself, was er mit den Händen zeigt, sind eher 10 cm, machen das Männer nicht normalerweise andersrum? Aber ich schweife ab…) Tieferlegung und man könnte noch zusätzlich den Sitz schmaler und tiefer polstern, damit käme ich sicher auf den Boden.

    Naja, der ursprüngliche Plan ist so oder so geplatzt. Der Umweg, wohin auch immer, ist minimal, also gut, fahren wir hin, ich setze mich drauf, Du drückst sie noch um 5 cm in die Federn und wir sehen weiter ((Gedacht: Und dann wissen wir, dass KTM tatsächlich einfach nix für mich baut []

  2. fisch []
  3. wurschtel []
  4. verdammt, der ist komplett glatt und mein Bein zu kurz um es genug anzuwinkeln damit ich vernünftig dran komme []
  5. leider, ich hätte sie auch über’s Wochenende behalten []
  6. neben der Duke stehend, bei der Höhe ist einfach nicht daran zu denken, das im Sitzen zu tun. Vorteil: Die umfallträchtigste Situation kann damit gar nicht auftreten []
  7. Huuiiiiiiiii! 😀 []

1 Comment on Die unerwartete Probefahrt

  1. […] da? Man zieht die Mittagspause vor, so dass man pünktlich zur Ladenöffnung um zehn dort ist.2 Der Herr mit dem gelöcherten Reifen war auch gerade da, also musste ich etwas warten bis er seinen Reifen bestellt hatte, um auf die […]