Inspektion mit Hindernissen

Posted by – 18. August 2012

Mannmann, ein Glück haben wir unsern Urlaub verlegt, ich hätte ein ernsthaftes Problem gehabt.

Schnubbi hatte die tolle Idee, noch vor der Inspektion zu des Teufels Üblen Vettern zu fahren, damit angemaultes gleich behoben werden kann. Er hatte dann auch noch die tolle Idee, das Bremslicht zu testen. Tja, das funktioniert1, nur dummerweise lief nach diesem Test Bremsflüssigleit über die Schwinge. Das fällt sogar dem blindesten Prüfinschinör auf, also doch gleich in die Werkstatt.

Die KLE auf den Hauptständer, Motorschutz ab, Öl ablassen, Ölfilter rausschrauben2 ist schnell gemacht. Schutzbügel abbauen, Verkleidung runter, Tank und Sitzbank auch kein Problem. Hinterrad raus, hinteren Bremszylinder lösen, Bremsleitung wegfummeln….was ist denn… Heidenei, die Suppe kommt ja gar nicht aus dem Bremszylinder. Da ist mir doch original die Stahlflexleitung geplatzt, die ich eingebaut hatte um – genau, zu verhindern, dass mir irgendwann mal die originale Leitung ausleiert oder platzt. Ironie des Schicksals3. Wie praktisch ist da eine Messie-Werkstatt. Ich werf‘ ja nix weg, nichtmal den Original-Bremsschlauch.

Aber erstmal an den Kettensatz. Die Ritzelmutter ist schnell freigelegt4. Tjaaa, die Ritzelmutter… SW27, Anzugsdrehmoment laut WHB 127 Nm, und die wurden beim letzten Wechsel auch angewendet. Anders gesagt, man dreht mit der Ritzelmutter beim Versuch sie zu lösen den Motor durch. Auch mit eingelegtem 1. Gang. Auch, wenn sich jemand mit Händen und Füßen am Hinterrad festkrallt um es vom Drehen abzuhalten. Auch mit druckluftbetriebenem Schlagschrauber. Aber vielleicht nicht mit angeknallter Hinterradbremse? Tja, die ist dummerweise grad funktionsunfähig, aber dann zieh‘ ich die Reparatur einfach vor.

Denkste. Die Aludichtungen der Stahlflexleitungen mussten per Plastikhammer von den Schrauben gedroschen werden und sind recht offensichtlich nicht mehr einsatzfähig. Ersatz? Hab‘ ich nicht. War ja die nächsten 10 Jahre kein Bremsleitungswechsel mehr geplant. Ich hab‘ ja Stahlflex, die halten ewig5.

Neuer Plan: Am Montag Dichtungen besorgen, in der Zwischenzeit mal Schwinge und Kipphebel ausbauen und alles putzen und schmieren. Dazu müssen die Fussrasten raus, und – Oh! Damit würde ich den Hauptständer lösen, auf dem grade die KLE steht. Das fällt also vorerst aus.

Ventile einstellen. Das muss doch gehen, und neue Zündkerzen müssen auch. Dazu muss nur schnell das Kühlwasser abgelassen werden6, ein paar Schläuche und die Gaszüge7 ab, Zündke… Was klebt denn da an der Zündkerze? Das vordere Ende vom Zündkerzenstecker. Auch das noch, mit der Zange raus, aber wo krieg ich jetzt nen Ersatz her? Egal, erstmal weiter und die Zündkerzen vollends rausschrauben8. Dann alle Schrauben auf und… irgendwas hakt. Aah, die Kühlwasserrohre. Rausnackeln. Anschauen, große Augen machen. Wie sehen denn die O-Ringe aus? Gequetscht, gespalten, sooo geht das nicht, die müssen also9 auch neu besorgt werden. Jetzt geht der Deckel mit viel Gefühl irgendwie rauszuwurschteln, passt um Sackhaaresbreite an allem vorbei, wenn man ihn exakt richtig kippt. Nur noch zwei Schräubchen lösen und die Ölleitungen rausfrickeln. Totpunkt einstellen, Spiel kontrollieren. 3 Ventile am oberen Ende der Toleranz, eins am unteren. Da ein zu großes Spiel weniger kaputt machen kann als ein zu kleines10 also beim Ausreißer das Ventilspiel ein paar Hundertstel größer gedreht. Alles wieder zusammenbauen… erst die eine Ölleitung, dann die andere, das eine Schräubchen dann das… wieso geht denn das so schwer? Ach Du Scheiße, Gewinde am Sack. Nah am Nervenzusammenbruch auf Wolfi warten, der gerade die Kuh testfährt11. Ja, er hat Gewindeschneider, also vooorsichtig12 das versaute Gewinde nachgeschnitten. Läuft zwar nicht wirklich glatt, aber die Schraube lässt sich wieder mit geringem Widerstand eindrehen und festziehen. Deckeldichtung säubern, Deckel aufsetzen und festschrauben13, Zündkerzen einsetzen14, Gaszüge einhängen15, Kühlwasserrohre…öhm, stimmt ja, die müssen leider draußen bleiben.

Dann noch schnell Ölabalasschraube zu, neuen Ölfilter dran, Motorschutz angeschraubt, Motorradheber untergeschoben, Hauptständer eingeklappt, Fußrasten abgeschraubt und die Spurstangenbolzen gelöst. Den Rest mach ich vielleicht morgen. Oder nächste Woche mal abends. Oder nächstes Wochenende. Wobei, je früher desto besser, wer weiß was in den Tiefen der Federung noch an Katastrophen auf mich lauert.

 

  1. genau wie Blinker, Fernlicht, Hupe []
  2. saß tatsächlich nur handfest, ich musste also nicht die Schraubenzieher-reindresch-Methode verwenden []
  3. Da geht demnächst ein Päckchen an Spiegler mit der Bitte um Beurteilung ob das ein Material- oder eher ein Verlege-/Einbaufehler war. []
  4. Alter, sieht das unter der Abdeckung auuuus… []
  5. In Skype gibt’s so nen schönen Smiley namens headbang, der seinen Kopf ununterbrochen gegen eine Wand knallt, der würde hier gut passen []
  6. ein Eimer ist schnell leergeräumt []
  7. Irgendwie ging es auch ohne japanische Montagewürmer, aber gut zugänglich ist anders []
  8. Sollte ich jemals den Zündkerzenschlüssel aus dem Bordwerkzeug verlieren, zünd‘ ich die Karre an []
  9. auch am Montag []
  10. und ich keine Lust hatte die drei ähnlichen dem vierten anzugleichen []
  11. aber leider keinen Baumarkt mit Bremsschraubendichtungsringen fand []
  12. So wie Igel vögeln []
  13. Zum Glück vorher nochmal nach dem Anzugsdrehmoment geschaut, sind doch nur 10 Nm, nicht 20 wie ichgeschätzt hätte. []
  14. und feststellen, dass das ohne Deckel deutlich weniger fingerbrechend gegangen wäre []
  15. ging wieder ohne japanische Montagewürmer []

4 Comments on Inspektion mit Hindernissen

  1. SonjaM sagt:

    Das ist auch eine Art und Weise, seine Zeit ‚tot zu schlagen‘.

    Auseinander bekommen habe ich auch schon so Vieles, bei mir hapert’s nur immer wieder mit dem Zusammenbauen. Daher gibt’s bei mir für so etwas immer die Werkstatt meines Vertrauens um die Ecke. Termin machen, hinbringen, die fixen das, abholen, fertig. Wochenende gerettet.

    PS: Hab‘ ich schon erwähnt, dass es hier keinen TÜV gibt…?

    • die maschinenbäuerin sagt:

      Hachja, kein TÜV wär‘ schon was….
      Das Inspektion selber machen liegt halt dran, dass so ne große Inspektion gerne mal 300€ aufwärts kostet, weil es eben viel zu machen ist. Und wer sagt mir dann, dass es wirklich sorgfältig gemacht wurde und in einem Fall wie dem vergnaddelten Gewinde im Zylinderkopf nicht die Schraube einfach mit Gewalt reingewürgt wurde?
      Wenn alles glatt läuft, ist so eine Inspektion eine Sache von einem Tag, und dann ist wirklich alles sorgfältig gemacht. Wenn halt solche Probleme dazukommen, dauert es was länger, würde in der Werkstatt aber auch gleich nochmal um etliches teurer. Wenn man im Sommer überhaupt innerhalb weniger als einem Monat einen Termin kriegt.
      Zur Rettung zukünftiger Wochenenden muss einfach ein Zweitmopped her.

      • FryingPan sagt:

        Du brauchst kein Zweitmotorrad. Da du es sowieso selber machst, verleg doch solche Arbeiten in den Winter

        • die maschinenbäuerin sagt:

          Erstens kann ich bei teilweise 10 Mm/Jahr nicht immer davon ausgehen, dass die inspektion erst im Winter ansteht, wenn sie gemacht werden muss, ist sie halt fällig. In dem Fall war das Vorziehen vielleicht unnötig, aber wenigstens die normale Inspektion hätte gemacht werden müssen, und so habe ich wenigstens gleich noch die Chance, den Verbrauch wieder auf Normalmaß zu drücken.
          Zweitens ist es im Winter in der Werkstatt so arschkalt, dass ich mich da keine 8 Stunden am Stück aufhalten will bzw. kann. Und die Inspektion auf 4 Wochen verteilen finde ich auch nicht sinnvoll.
          Und drittens will ich eh schon lang ein Zweitmopped. So für Tages- oder Wochenendausflüge, nicht viel Gepäckkapazität, reiner Straßenflitzer mit 70+ PS. Dann müsste ich nicht immer gar so arg im Getriebe rühren um meinem Freund auf der 1200er hinterherzukommen.