Der Rückweg beginnt

Posted by – 20. Juni 2011

Der Rückweg beginnt

„Frühstück um acht“ hieß es gestern Abend, also quäle ich mich aus dem Bett, sitze aber im Frühstücksraum meines Motels allein. Tja, die Zeit war richtig, aber der Ort falsch, gemeinsames Frühstück wäre ein Haus weiter gewesen, erfahre ich, als ich Jaime vor der Abfahrt nochmal treffe.

Da ich mich trotz des Schwimmbads gestern Abends ein wenig nach Stinktier fühle, gehe ich nochmal unter die Dusche, bevor ich losfahre. Heute will ich nach Port Moody, zu Sonja1. Da ich gestern Abend beim Telefonat mit meiner Mutter das Guthaben auf meiner Telefonkarte verballert habe,  schicke ich Sonja eine Mail, dass ich mich melde, wenn ich bei Hope bin2 und es gibt an der Tankstelle neben Sprit auch gleich noch einen 10$-Gutschein fürs Telefonieren. Den will ich unterwegs draufladen. Aber erstmal geht es auf den HWY 8. Das ist zwar ein Umweg, aber besser als den vierspurig ausgebauten HWY5 zu nehmen.
Mein Dasein als Regengöttin scheint nur temporär gewesen zu sein3, jedenfalls habe ich strahlenden Sonnenschein, dafür, wie ich auf der ersten Pause4 bei Spences Bridge bemerke, keinen Empfang. Arrgs! Ach egal, Empfang werde ich später noch kriegen, ich genieße einfach den letzten Tag unterwegs und lade das Handy auf, wenn es eben geht. Wenn das erst in Port Moody ist, muss Sonja schon nicht so lang fahren, mich zu treffen.

Bei einer kurzen Unterhaltung mit einer alten Dame, die mit Mann sowie Nichte und deren Mann per Auto unterwegs ist, und der ich den bärensicheren Mülleimer öffne5, erzählt sie mir, wie schön sie es findet, dass man immer mehr Frauen Motorrad fahren sieht, ich kann ihr da nur zustimmen, was sollte ich auch sonst tun. 😉 Einige Kilometer später bin ich zu einem weiteren Stopp gezwungen, diese Wolkenkappe über den Bergen sieht einfach zu gut aus, um nicht fotografiert zu werden.

Leider führt die Straße genau in Richtung dieser Wolken. Diese Mistviecher, sie haben mich wieder gefunden! Aber hilft ja alles nichts, morgen muss ich die GS wieder in Vancouver abgeben, umdrehen steht also nicht zur Debatte. Ich bin’s ja schon gewohnt, im Regen zu fahren, also was soll’s, noch ist es ja trocken, also weiter, die Sonne genießen solange es noch geht. Zum Mittagessen halte ich in Boston Bar am Old Towne Inn6.

Unglaublich leckere Burger, und Gäste, die mal wieder verwundert/begeistert sind, dass ich als Frau ganz allein mit dem Motorrad durch Kanada fahre. Dabei ist es nur ein kleiner Teil von BC, und die Frau mit der ich mich unterhalte ist vor einigen jahren schonmal allein einen Monat in Australien unterwegs gewesen7.Als ihr Essen kommt, verabschiede ich mich und fahre8 weiter Richtung Hope. Die Wolken haben mich zwischenzeitlich eingeholt, aber noch nicht angefangen, Freudentränen deswegen zu vergießen. Kurz nach Hope fangen sie allerdings damit an. Na super, vierspuriger Highway, verglichen mit den Tagen davor unglaublich viel Verkehr, und es schüttet wie aus Eimern.

Ich halte an einer Raststätte an und rufe die Nummer an, die auf dem Aufladezettel fürs Handy steht. Ich habe eine sehr spannende Unterhaltung mit einer Maschine9 bis ich nach 10 Minuten10 zu einem Operator durchgestellt werde. Die will erstmal mein geheimes Passwort. Weiß ich nicht. Dann die Daten, mit denen ich mich registriert habe. Weiß ich, bis auf die Postleitzahl. Janee, die braucht sie. Ich erkläre, dass ich auf einem knapp zweiwöchigen Urlaub in Kanada bin und nur die 10$ aufladen will, damit ich heute Abend einen Platz zum Schlafen habe. Aufladen ginge, aber Details zum Account könne sie mir nicht geben. Die brauch ich auch nicht, ich will nur telefonieren, und das klappt dann auch. Anruf bei Sonja: Nach einem kurzen beidseitigen Aussetzer11 verabreden wir uns in Dewdney am General Store. Nach einer Fahrt durch den Regen erwache ich gerade noch rechtzeitig aus der regeninduzierten Lethargie, um festzustellen, dass diese zwei Häuser wohl Dewdney sind. Fast perfektes Timing, 5 Minuten nach mir kommt auch Sonja an. Wir genehmigen uns erstmal einen Tee in dem kleinen Restaurant, bevor wir uns über kleine Straßen mit einigen Fotopausen auf den Weg zu Sonja machen. Komisches Gefühl, auf einmal wieder hinter jemand her zu fahren, erstaunlich wie schnell man sich ans allein fahren gewöhnt.

Bei Sonja gibt es ein kleines Abendessen, Tee mit Kandiszucker12 und wir unterhalten uns noch über Deutschland, Kanada, meinen Trip, ihre Auswanderung und was es noch so alles gibt. Die schönste Überraschung gibt es dann im Gästezimmer: Ein Bett mit einer ganz normalen Bettdecke! Ich bin offensichtlich nicht die einzige, die sich nicht an das übers Bett gespannte Laken mit drübergeworfener Wolldecke gewöhnen kann.

  1. die hier mitliest *wink* []
  2. wir wollen uns dann auf halbem Weg treffen []
  3. oder die Wolken haben meine Spur verloren []
  4. 70 km nahm ich mir für heute als Abstand zwischen zwei Pausen vor []
  5. sagte ich schon, dass die Nettigkeit ansteckend ist? []
  6. oder so []
  7. NEID! []
  8. nachdem ich festgestellt habe, dass ich immer noch keinen Empfang habe []
  9. „Your request will take some more time to process, thank you for your patience“, garniert mit Werbung für die unglaublich tollen Angebote von rogers []
  10. Nicht gefühlt, stand auf der Gesprächsdaueranzeige []
  11. wir wollen auf englisch miteinander reden… []
  12. Wenn ich mal wieder nach BC komme, bringe ich ein Kilo Kandis mit, versprochen []

1 Comment on Der Rückweg beginnt

  1. SonjaM sagt:

    Freut mich, dass Dir mein Bettzeug gefallen hat 😉