Hoppala!

Posted by – 18. Juni 2011

Samstag Morgen, ich wache gegen halb acht auf. Gemütlich aus dem Zelt gekrabbelt und erstmal Richtung Dusche schlurfen. Ein kurzer Wettercheck ergibt: durchgängig bewölkt, feuchtwarm. Im Duschraum höre ich auf einmal ein unheilvolles Geräusch, wie Platzregen, und stürze panisch vor die Tür. Puuh, doch nur der Rasensprenger, ich kann beruhigt unters Wasser steigen. Zurück am Zelt trödele ich noch ein wenig rum, während ich darauf warte dass meine Handtücher auf dem Zelt trocknen. Das wird nach einiger Zeit leider durch einsetzenden Nieselregen erschwert. Das packen wird daraufhin etwas hektischer, und ich kriege das meiste noch trocken in Topcase und den Taschen unter. Als mich gerade in Helm und Handschuhe packen will, höre ich ein lautes Pfeiefen und sehe Gary winken. Schnell den Tee geschnappt, und dann sitze ich bis kurz vor elf wieder bei den beiden im Wohnwagen und werde gefüttert, und noch mit etwas Proviant versorgt bevor ich dann endgültig aufbreche.
Merritt ist mein Ziel, da dort heute Abend ein Treffen von ADVRidern stattfindet, und das möcht‘ ich mir mal anschauen. Der Weg dorthin führt mich über Princeton, und statt des Highways bis dorthin habe ich mir eine kleinere, parallel dazu laufende Straße ausgeschaut. Beim Losfahren ist es trotz Regen immer noch sehr warm, so dass ich unter der Jacke nur ein T-Shirt anhabe. Nach einiger Zeit allerdings wird es kühler und der Regen geht von Nieseln zu ernsthaft über. Dämlich und stur wie ich bin, erzähle ich mir selbst, dass ich ja gleich in Princeton bin, und mir einfach da was zu Essen suche und den Pulli anziehe, statt jetzt anzuhalten und in den Taschen rumzusuchen. ich schaffe es auch tatsächlich bis Princeton, genauer gesagt bis zur ersten Kreuzung, an der mir plötzlich, während ich nach Wegweisern Ausschau halte, ein Stoppschild hinterhältigst in den Weg springt und mich erschreckt. Bei der Schreckbremsung auf nasser Straße geht mir klassisch das Vorderrad weg und es -pardon my french1- legt mich aufs Maul. Da das ganze bei einigermaßen niedrigem Tempo passierte und ich voll aufgerödelt bin, gilt meine erste Sorge dem Mopped, während ich den Killschalter umlege, geht mir aber gleich der Gedanke „Das war’s mit der Kaution“ durch den Kopf. Die Autofahrerin hinter mir, der ich laut eigener Aussage schier einen Herzinfarkt beschert habe, beruhige ich, mir sei nichts passiert, spanne sie aber gleich ein, mir beim Aufrichten der GS zu helfen. Wo ich was zu essen kriege, sagt sie mir auch, und nur leicht zitternd fahre ich los, nachdem ich das vom Seitendeckel abgefallene Blech eingesteckt habe. Auf den ersten Metern merke ich schon, dass der Lenker alles andere als gerade ist, ich schätze, dass er gegenüber vorher um 20° verdreht ist. Fährt sich irgendwie doof so.
Aber erstmal essen2, ich finde auch das erwähnte Restaurant. Direkt nach dem Bestellen frage ich die Bedienung, ob es in Princeton eine Motorradwerkstatt gibt. Nein, das nicht, aber in $Autoteileladen arbeitet jemand, der auch ein Motorrad hat, und sie kann da ja für mich mal anrufen. Nach der heißen Schokolade und dem Burger3 erfahre ich dann, dass sie nach 5 Anrufen jemand gefunden hat, der sich die GS mal anschaut und versucht mir zu helfen, und erklärt mir den Weg zu KalTire. Dort angekommen, wird sich erstmal um das abgefallene Blech gekümmert, denn man kann durch den Seitendeckel so ein bischen in den Motor schauen, man sieht eine Schraube und einige Kabel. Und das finde ich bei diesem Wetter4 nicht so ganz optimal. Jasen versucht es erstmal mit irgendeiner Pampe, die er so da hat, aber wirklich halten tut das nicht5. Hmm, vielleicht sollte ich Mike mal anrufen und ihm beichten, dass ich die GS gelegt habe, und wie und ob ich jetzt weiterkomme. Mike sucht ein paar technische Daten raus: das Blech sitzt am LiMa-Deckel, das ist weniger kritisch, aber draufkleben sollte man es wieder, und er kann Jasen auch genau sagen, mit welchem Kleber. Wenn ich mit dem Lenker zurechtkomme, soll ich ruhig weiterfahren. Juffi!

Jasen warnt mich noch, der Highway nach Merritt sei sehr kurvig und ich solle auf jeden Fall vorsichtig fahren6, weigert sich, Geld zu nehmen und wünscht mir eine gute Reise. Das mit dem kurvig entpuppt sich dann als nett geschwungene Straße, auf der ich mich gemütlich an den verdrehten Lenker gewöhnen kann, als ich an der Visitor Info halte, finde ich es fast schon normal. Dank der netten Dame bekomme ich auch ein Zimmer im Motel direkt neben dem Treffen.
Schon beim Check-in treffe ich Roman, der mir letzten Samstag die Karte geliehen hat. Später, beim Barbecue, treffe ich auch Jen wieder, und lerne Jaime7, Roman’s Freundin Chris und noch ein paar andere kennen. Jen stellt mir Norm vor, der den GS-Lenker wieder ein Stückchen gerader biegt. Danke! Da der Hot Tub im Motel nur bis 10 offen hat, treffen wir uns um neun, sitzen noch ein Weilchen im warmen Wasser rum, und dann geht es ins Bett.

  1. woher kommt dieser Ausdruck eigentlich? []
  2. Und endlich diesen Pulli anziehen, ist mir kalt… []
  3. hört sich komisch an, ist aber eine klasse Kombination um sich aufzuwärmen []
  4. Nur falls es jemand vergessen haben sollte: seit einigen Tagen Regen und nasse Straßen []
  5. Ducktape will er nicht rausrücken, obwohl ich fast sicher bin, das würde halten… []
  6. Was mich -kurz- zweifeln lässt, ob das so eine gute Idee ist mit dem Weiterfahren []
  7. deren angebotenes Bier ich mit dem Feuerzeug öffne, bevor ich sehe, da ist ein Schraubverschluss dran -ubbs []

3 Comments on Hoppala!

  1. sparta sagt:

    ‚Pardon my french‘ drückt sicher einmal mehr die Liebenswürdigkeit der Engländer den Franzosen gegenüber aus (and vice versa).
    Was in meiner Sprache eine Sauerei ist, ist ganz normales Französisch 😉

    Details wie immer bei: http://en.wikipedia.org/wiki/Pardon_my_French

    • die maschinenbäuerin sagt:

      Ich muss grad an den Anfang der Ritter der Kokosnuss denken, ob es vielleicht auch daher kommt?

  2. […] Am Samstag gab’s ein Hoppala […]