Igitt, ist das nass hier (Teil 2)

Posted by – 16. Juni 2011

Igitt, ist das nass hier (Teil 2)

 

So gegen acht werde ich wach, weil Roland hörbar in der Küche herumwuselt. Ich trinke noch gemütlich zwei Tee und packe nebenher. Dann die Frage, wie kommt die GS wieder aus dem Schuppen raus, und wie auf die Straße? Erst mal will ich sie beladen, denn ich traue dem Wetter nicht. Zurecht, denn gerade als ich mit aufrödeln fertig bin, fallen die ersten Tropfen. Praktisch. Jetzt muss die Karre hier nur noch raus und zwischen Terrasse, Auto und Mäuerchen gewendet werden. Viel Platz ist nicht, also wird die Terrasse mit einbezogen und nach nur 17 gefühlten mal rangieren steht die GS dann in Fahrtrichtung. Nach der Verabschiedung von Roland mache ich mich auf den Weg. Ich will erst nach Salmo, dann nach Osten, auf der Ostseite vom Kootenay Lake wieder nach Süden, dann mit der Fähre nach Balfour übersetzen und plane, die Nacht bei den Ainsworth Hot springs zu verbringen. Ganz in der Nähe gibt es den Toad Rock Motorradcampingplatz, der sah recht interessant aus.

Das Wetter bleibt mies, ich fahre im Dauerregen. Macht nix, denke ich mir, ich hab ja die Streetguard-Hose1 an, und die ist ja angeblich ab-so-lut wasserdicht. Außerdem ist es wenigstens nicht ganz so kalt wie gestern und ich fahre von Anfang an gut eingepackt. Die Landschaft ist trotz des Wetters wie üblich beeindruckend schön, und es gibt genügend Rastplätze, auf denen ich die Füße ein wenig ausstrecken kann.

Von Salmo nach Creston wird es dann etwas frischer, denn ich fahre über den höchsten ganzjährig geöffneten Pass von BC, den Kootenay Pass. 1774 m, wenn man die Schneehaufen mit dazurechnet, sind es sicherlich 1780. Brrrr. Aber trotzdem habe ich noch Spaß, und die Vorfreude auf den Destination Highway Nr. 1 treibt mich an. Wenn die Strecken sonst schon so beeindruckend schön2 sind, wie geil muss diese Strecke denn dann erst sein?!

In Creston mache ich aber erst mal ein Pause beim Burgerbrater, denn irgendwie wird es doch allmählich frisch, vor allem an den Knien. Zu meinem Burger trinke ich zwei heiße Schokoladen und stelle zwischenrein auf dem Klo fest, wieso ich so kalte Knie habe: Die sind nämlich gut nass. Genau wie die ersten 5 cm meiner Ärmel. Mit nassen Knieen kann ich leben, aber ich will nicht, dass mir die Feuchtigkeit bis in die Ärmel hochzieht, also Weiterfahrt mit Regenjacke. Mit etwas Hilfe von einem freundlichen Passanten komme ich auch rein, und weiter geht’s, den Kootenay Lake entlang. Naja. Eigentlich ein ganz nettes Sträßchen mit hübschen Kurven und fast direkt am See. Dumm nur, dass die Aussicht auf den See fast durchgängig von Bäumen verdeckt wird und die gesamte Strecke wegen Ausfahrten auf 60 limitiert ist. Ich finde das deutlich überbewertet, und nicht nur des Wetters3 wegen hatte ich auf anderen Straßen auf meiner Tour schon deutlich mehr Spaß. Kurz vor der Fähre hört der Regen dann auf. Als ich an der Fähre ankomme, hat die gerade abgelegt, und die nächste kommt in einer halben Stunde. Also nochmal zurück, wieder an dem Haus mit dem Schild „Afrikanische Perlen“4 und dem Haus mit handgemachten Besen5 vorbei zur Tankstelle. Dort wird mir mitgeteilt, dass das Premium nur für Offroadfahrzeuge und Boote sei, weil steuerreduziert6, aber die nächste Tankstelle hat reguläres Premium. Nun gut, die 500 m krieg ich auch noch hin. Beim nächsten Versuch ist auch die Fähre noch nicht ausgelaufen. Sie ist, genauer gesagt, noch nicht mal da. Das ändert sich nach 10 Minuten, und nach einer Viertelstunde bin ich dann auch ganz vorne und bleibe, da ich niemanden finde der mir hilft die GS auf den Hauptständer zu stellen7, dann auch für die gesamte Überfahrt (35 Minuten)) dort stehen.

Wenige km nach der Fähre sehe ich dann die Einfahrt zum Campingplatz. a) ist sie geschottert, und ich habe keine Ahnung wie lang sie ist, 2. sind es noch fast 10 km zu den heißen Quellen und iii) ist es zwar momentan trocken, aber immer noch kühl, feucht und stark bewölkt. Ich beschließe, dass mir Nähe zu den heißen Quellen und Komfort was wert sind, und fahre weiter bis zu den heißen Quellen, und halte auf gut Glück8 am Ainsworth Motel. Ich frage nach dem günstigsten Zimmer. Das kostet eigentlich 80$9. Aber weil ich allein bin und nur ein Bett brauche10 macht mir die nette Dame an der Rezeption einen Sonderpreis von 60$11. Ich bin baff, ich hätte mit deutlich mehr gerechnet, bei gerade mal 50m zum Eingang zu den Quellen, und nehme das Zimmer. Ich unterhalte mich noch ein bischen, erzähle wo ich her komme, wo ich hin will und wie gut es mir12 gefällt und werde gebeten, doch eine Stecknadel in die Weltkarte zu pinnen. Hö? Ich drehe mich um, da hängt eine Weltkarte mit vielen vielen Stecknadeln drin, von allen Ausländern, die hier schon übernachtet haben. Ich würge meine Stecknadel in die letze Lücke die ich nahe meines Wohnorts finde, nehme den Zimmerschlüssel und fahre die GS nach oben auf den Parkplatz. Ins Zimmer, Heizung an, dann erstmal umschauen. Hübsch hier.

Und da sind welche unterm Pavillion am Grillen. Schwubbs, bin ich in ein Gespräch verwickelt. Die Gruppe (Arnold, zweimal Cindy, Allan, Danny, Larry und Jillian) kommt aus Clearwater, wo ich gerade 3 Tage vorher war. Klein ist die Welt. Wie immer kommt die Frage, was ich mache, wo ich herkomme und ob ich wirklich allein unterwegs bin? Ja, in der Tat. Nach ein paar Minuten Smalltalk frage ich dann, ob die Leute denn wissen, wo es hier in der Nähe was zu essen gibt. Ein paar km weiter ein Pub13, und dann halt das Restaurant im Hot Springs Ressort, das allerdings recht teuer. Ich gebe kund, dass ich dann wohl das Restaurant austesten werde, aber erstmal ablade und aufs Zimmer gehe. Kaum habe ich mich eingerichtet, klopft es an der Tür. Ich mache auf, Arnold steht draußen und ruft erstmal „I found her“14, bevor er mich fragt, ob ich mit ihnen zusammen abend essen möchte, sie hätten genug für eine zusätzliche Person. Das möchte ich sehr gerne, erbitte mir aber ein paar Minuten, um mich auszubreiten, frischzumachen und so weiter. Nachdem ich mir noch schnell was zu trinken besorgt habe, stoße ich zum Essen dazu. Es gibt Hühnchen, Schwein, Kartoffeln, Karotten und zum Nachtisch Wassermelone. Lecker. Irgendwas kommt mir seltsam vor, das ist nicht das übliche „Ein paar Freunde fahren ein Wochenende fort“, aber so ganz genau kann ich es nicht sagen, Arnold und Cindy haben die Initiative, und der Rest zieht halt so mit. Nach dem Essen wollen die sieben nochmal in die heißen Quellen, und ich schließe mich an. Kurz vor der Kasse sehe ich ein Gestell mit T-Shirts im Sonderangebot. Ein nützliches Souvenir hab ich immer gern, und langsam aber sicher gehen mir die sauberen Klamotten aus, also kaufe ich mir für 10$((+tax)) ein T-Shirt, und für 11€ erkaufe ich mir den Eintritt in die Quellen.

Eigentlich dachte ich ja, nach dem Essen und einiger Zeit im geheizten Motelzimmer wäre ich wieder aufgewärmt, aber als ich mich in das fast 41°C warme Becken sinken lasse, merke ich, dass das nicht stimmte. Welche Wohltat, welche Wonne! Wenn es einen Himmel gäbe, er fühlte sich genau so an. Ein Glück habe ich Ohren, sonst hätte das Grinsen um den ganzen Kopf rum gereicht. Im Gegensatz zu hiesigen Thermalbädern kann man in Ainsworth in eine kleine Tropfsteinhöhle, in der das heiße Wasser direkt aus dem Felsen läuft. 2 m nach dem Eingang stelle ich mich erst mal unter einen heißen Wasserfall, noch ein paar Meter weiter hinten könnte man, wenn man denn wollte, einen Gang nach hinten kriechen, aus dem ein heißer Bach läuft. Die Luft ist feucht und heiß, es ist wie im Dampfbad, und es tut soooo gut. 🙂

Nach einiger Zeit in der Cave und dem sehr heißen Becken davor wechseln wir in den nur 38°C warmen Pool, in dem wir uns weiter unterhalten. Das Rätsel, was das für eine Truppe ist, löst sich: Cindy und Arnold sind Betreuer einer Gruppe geistig Behinderter, mit denen sie diesen Ausflug machen. Das erklärt einiges bzw. alles. Wir unterhalten uns auch über meinen bisherigen Trip und meine weiteren Pläne. Als Cindy mich fragt ob ich mir auf der logging road keine Sorgen gemacht hätte, meinte ich nein, ich bin ja mit meinem Mopped schon weitaus heftigeres gefahren. Sie meinte allerdings wegen der Trucks. Uuups, nein, an die hatte ich bis dahin gar nicht gedacht. Gut, dass ich keinem begegnet bin… Cindy hat auch zwei klasse Ideen: Die erste ist, ich soll doch nach Osoyoos fahren, da ist Wüste und schön warm15 und die zweite ist, mich zum Frühstück am nächsten Tag einzuladen, da sie morgens zurückfahren und noch Essen für 4 Tage haben. Da sage ich bestimmt nicht nein, nette Gesellschaft habe ich immer gern. Um halb zehn machen die Quellen zu, um dem Ansturm an den Duschen zu entgehen, machen wir uns schon um 10 nach neun auf den Weg16. Zurück im Motel, bringe ich Arnold noch Ohrstöpsel vorbei, denn er hatte sich bitterlich beschwert, dass er Danny und Allan ständig mit der Klotüre klappern hört und nicht schlafen kann. Dann geht es ab ins Zimmer, noch einen Tee trinken und dann schlafen.

  1. aus der Phil dankenswerterweise auch rausgewachsen ist []
  2. wenn auch nicht sonderlich eng bekurvt []
  3. Es regnet weiterhin durchgängig []
  4. Huh, wir sind doch in Kanada? []
  5. In dieser Manufaktur wurden, wie ich später erfahre, angeblich alle Besen für die Harry Potter Filme gefertigt. []
  6. oder sowas ähnliches []
  7. ohne Griff, dafür mit vollem Gepäck nicht so ganz einfach []
  8. nach insgesamt 220 km []
  9. +tax []
  10. und wahrscheinlich auch weil ich mitleiderregend aussehe, das kann ich gut []
  11. +tax []
  12. bis auf das Wetter 😉 []
  13. Bääh, will nimmer aufs Mopped []
  14. wahrscheinlich, weil mein Helm noch draußen vor der Tür auf dem Tisch stand []
  15. Jaaa, raus aus dem Regen… []
  16. Wir sind seit ca. 7 drin, das reicht dann auch langsam []

2 Comments on Igitt, ist das nass hier (Teil 2)

  1. SonjaM sagt:

    Ja so eine Wellness-Einlage kommt gut, besonders nach nass-kalter Mopped-Tour. Werde diesen Ort mal auf meine Liste setzen, an diesen Quellen war ich noch nicht.

  2. […] Donnerstag, weiter zu den heißen Quellen […]