Igitt, ist das nass hier (Teil 1)

Posted by – 15. Juni 2011

Igitt, ist das nass hier (Teil 1)

6 Uhr: Regengeräusche am Zelt. Weiterschlafen.

7:30 Uhr: Regengeräusche am Zelt. Weiterschlafen.

9 Uhr: Stille. Dann kann ich ja aufstehen, das Handy an den Strom hängen und duschen gehen. Anders als gestern Abend wollen sich die Leute unterhalten. Der Platzwart fragt mich nach dem woher und wohin, ebenso ein anderer Gast, der allerdings eher auf das „wohin“ fokussiert. Als er erfährt, dass ich auf dem HWY6 nach Osten und dann nach Nelson will, warnt er mich, er wäre aus der Richtung gekommen, und da wäre sicherlich 5 Meilen lang1 eine Baustelle mit Schotter und Staub und bei Regen wohl eher Matsch. Urks, das hört sich nicht schön an, ich hatte genug Schotter für diesen Urlaub, also plane ich um.
Zurück nach Vernon, dann südlich nach Rock Creek, und dann wieder ostwärts Richtung Nelson soll es gehen. Das ist ein ganzes Stück weiter als die ursprünglich geplante Route, also sollte ich besser mal in die Puschen kommen. Vorher unterhalte ich mich noch aber mit der Nachbarin, die in der Nacht so Mitleid mit dem „poor kid“2 hatte, weil es geregnet hat. Ich beruhige sie, dass mein Zelt blitzneu und absolut wasserdicht ist, aber jetzt abgebaut wird weil ich noch einige km3 vor mir habe. Während ich gerade mit den Heringen kämpfe, spricht mich wieder der Platzwart an. Er hat beim Büsche schneiden einen Vogel gefunden, der sich in einem Faden verfangen hat und fragt ob ich ihm helfen kann, den kleinen Kerl zu befreien. Ich hole mein Leatherman und mit der Schere ist der Faden schnell entfernt, der Fuß ist noch dran und beweglich, und der Vogel darf ohne Faden weiter fliegen.

Weil ich in Lumby Empfang habe, rufe ich noch schnell Roland4 an, der mir einen Schlafplatz auf frisch gesaugtem Wohnzimmerteppich angeboten hat, um mit ihm auszumachen, dass ich ihn anrufe, sobald ich genauer weiß, wann ich in Nelson sein werde, also „Wahrscheinlich in Christina lake“5.  Und dann geht’s los. Mit dem Fahren, und mit dem Regen, vorerst noch in leichten Schauern, die immer länger werden. In Vernon halte ich mich Richtung Rock Creek, und dann geht’s aufwärts und wird dank Dauerregen richtig nass. Und kalt. Die Landschaft beschränkt sich auf bewaldete Hänge links und rechts, macht also auch nicht wirklich warm ums Herz, genau wie die Schilder Richtung Skigebiete und das „Check fuel, next service 89 km“. Ich friere, habe keinen Spaß, muss aufs Klo und -erwähnte ich schon, dass ich friere? An einer der üblichen Rest Areas erleichtere ich mich und fummele den tollen orangen BMW-Pulli6 aus der Tasche. Schwubbs ist es wärmer, und ich habe auch schon die Hälfte der Tankstellen7freien Strecke hinter mir, die Handschuhe hab ich am Motor aufgewärmt8. Ich beschließe aber trotzdem dass ich nicht in der Laune zum Fotografieren bin, zu kalt, zu nass, zu meh9. Nach weiteren 20 oder 30 km hört auch der Regen auf, und es wird langsam wärmer. Mit der Temperatur steigt auch wieder meine Laune, die Wolken verschwinden und es macht wieder etwas mehr Spaß, es gibt die erste Fotopause und kurz danach Mittagessen.

Beim Bezahlen frage ich, wie lange ich wohl von hier nach Christina Lake brauchen werde10 bevor ich dann aufbreche. Während ich noch draussen stehe, kommt mir jemand aus dem Restaurant hinterher. Er meint, er hätte mitgehört wo ich hinwill, und warnt mich vor dem Sand11 auf der sehr kurvigen12 Strecke, vor den Hirschen 13 und vor dem Highway Cop in Grand Forks, der einen wohl schon für nur 3 km/h drüber rauszieht. Vielen Dank, gern geschehen und have a nice trip. Sekunden später fährt ein Pickup vor und ich werde gefragt ob ich durch den Regen gefahren bin. Ja, bin ich. „That hurts, doesn’t it?“ Öhm, nein, ist nur kalt, aber mein Zeug ist wasserdicht. – Er meinte im Gesicht. – Nein, nicht mit Integralhelm. – Achso. Also, als er noch gefahren ist, hatte er nur eine Halbschale, da gab es noch keine Integralhelme14 und da hat Regen im Gesicht so weh getan. Und einmal, da hat er eine Motte verschluckt. – Uh, das hört sich nicht spaßig an. – War es auch nicht, – nice to meet you – have  a safe trip.

Amüsiert steige ich nun endlich auf die GS, rangiere rückwärts aus dem Parkplatz15 und mache mich auf den Weg nach Christina Lake wo ich hoffe, wieder Empfang zu haben. Diese Hoffnung wird leider enttäuscht16, also fahre ich weiter nach Nelson. Das Wetter hält einigermaßen, ich sehe zwar die ein oder andere Wolke und habe immer wieder kurze Schauer zu durchfahren, aber im Großen und Ganzen ist es ganz nett. In Nelson habe ich dann wieder Empfang, rufe Roland an, lasse mir den Weg zu seinem Haus erklären und finde es dann auch. Nach einer kurzen Begrüßung  dusche ich, nehme endlich mal die Kontaktlinsen aus den Augen, trinke noch einen Tee und dann gehen wir in die Stadt was essen, nachdem wir die GS noch in seinem Schuppen verstaut haben. Nach dem Essen zeigt mir Roland noch einen Viewpoint mit wunderhübschem Ausblick über Nelson17 bevor wir wieder zu ihm gehen. Dann werden noch ein paar Karten studiert, ein Plan für morgen gemacht, Fotos ausgetauscht und Benzin18 gequatscht, bevor ich mich in meinen Schlafsack lege.

 

  1. Soviel zum metrischen System in Kanada 😉 []
  2. hehe []
  3. 410 um genau zu sein []
  4. auch von ADVrider []
  5. Höhö []
  6. aus dem Phil praktischerweise rausgewachsen ist []
  7. und damit Zivilisations- []
  8. das geht trotz fehlender Euter recht gut []
  9. Aber wenigstens nicht mehr mimimi []
  10. ca. 1h heißt es []
  11. igitt []
  12. höhö []
  13. wo, wo, wo, wooo? []
  14. Er sah irgendwie jünger aus, nicht wie hundert, aber vielleicht hat er sich auch nur gut gehalten… []
  15. Geil, wenn die Füße problemlos auf den Boden reichen []
  16. Achneee? []
  17. Und ich Honk habe die Kamera nicht dabei []
  18. Und metrisches vs. imperiales System []

1 Comment on Igitt, ist das nass hier (Teil 1)

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