20 (sic!)km

Posted by – 13. Juni 2011

Frühstück ist auf acht angesetzt, um 7 klingelt mein Wecker, und kratze erstmal ausgiebig meine 20 Mückenstiche. Arme, Rücken, Bauch, Hand, alles zerstochen, ich will mir gar nicht ausmalen wie ich jetzt aussähe, hätte ich an diesem See übernachet… Zum Frühstück gibt es neben Poffertjes1 und Tee auch noch eine nette Unterhaltung2 mit unserer Gastgeberin, Marieke, und ihrem Mann, Olaf. Die beiden sind vor 43 Jahren mit ihren 2 Kindern nach Kanada ausgewandert, und verdienen sich ihr Geld nun mit LKW-Fahren4, Arbeiten im Strawberry Moose, einer Art Bäckerei, die aber auch Lunchpakete für Touristen und Mittagessen anbietet5 und dem B&B6. Auf meine Frage2, was ich am besten gegen die Mückenstiche mache, bekomme ich die Tipps Benadryl7 und Off8. Ist notiert.Die Aussicht ist schön, ohne Regen hätten wir bei noch besserer Aussicht auf dem Balkon gefrühstückt, auf dem etwas hängt, das ich zuerst für eine Art Öllampe halte. Dann denke ich mir2 „Was haben denn die für Riesenhummeln, als etwas bräunlich-oranges auf die „Lampe“ zuhält. Und dann erkenne ich es: Das sind ein Birdfeeder und ein Kolibri! Ich dachte, das seien tropische Vögel, aber da habe ich mich wohl geirrt. Leider hatte ich die Kamera nicht dabei, und sie wären wohl sowieso zu schnell gewesen.


Nach dem Frühstück eine Mail von Mike: Es muss nicht von Givi sein, der nächste Händler wäre sowieso gute 50 km entfernt9, ich soll doch einfach schauen, ob ich eine Notlösung hinkriege, und er hätte eine10Werkstatt in Clearwater kontaktiert, die würden mal schauen was sie machen können. Also werfe ich mich noch im Haus in Schale, inklusive Helm und Handschuhen, nochmal erwischen mich die Mistviecher nicht2. Bei der Werkstatt angekommen, präsentiere ich die Brocken, die ich habe, sowie meine2 Meinung, eigentlich bräuchte es nur eine große Unterlegscheibe, eine Schraube und ein bisschen Loctite. Der Typ dort stimmt mir zu, wir enden allerdings mit zwei Unterlegscheiben, da die Bohrung in der großen Scheibe größer ist als der Schraubenkopf. Sieht gut aus und hält, ich bin2 begeistert, Geld wollen sie auch nicht von mir.

Weiter geht’s zur Drogerie2, einen Benadrylstick und eine Flasche11 Off kaufen. Was mir schon in Vancouver im Drugstore aufgefallen war: es gibt unheimlich viele Dinge in den Regalen, die man bei uns nur in der Apotheke12 kriegt, wie Ibuprofen, Paracetamol oder Aspirin, und es gibt unheimlich viele Dinge, in denen Antibiotika sind. Heilsalben, Augensalben, Seifen, Feuchttücher. Auch Lidocain und ähnliches steht fröhlich als Bestandteil von After Sun Lotions im Regal. In Vancouver hing auch im Konferenzgebäude vor jeder Rolltreppe ein Hand-Desinfektionsmittel-Spender, und in den Toiletten stand antibiotische Seife.

Weil ich hier nicht viel von Fahren und Landschaft erzählen kann, ein paar allgemeine Bemerkungen was mir so an Unterschieden auffiel. Die Ampeln auf der anderen Seite der Kreuzung waren ja kein Thema, aber die 4way-stops habe ich erst am letzten Tag kapiert, als Sonja sie mir erklärt hat. Putzig auch: Vor so gut wie jeder Kurve hängt ein kleines gelbes Schild, das eine Geschwindigkeit für diese Kurve empfiehlt. Als ich einmal dieser Empfehlung folgen wollte, wär ich fast vom Motorrad gefallen. Vor lachen. Und ich habe mich gefragt, wofür diese Empfehlung gilt: Für Trucks?…bei Glatteis? Es ist allerdings recht praktisch, weil man so bei strömendem Regen weiß, welche Geschwindigkeit13 man noch problemlos fahren kann.

Das Essen ist, wie ich wohl schon erwähnt habe, unglaublich teuer. Guten Käse14 gibt es scheinbar nicht, und selbst für einen Cambozola werden über 40$/kg aufgerufen. Eier ab 70ct/Stück. Obst unglaublich teuer, aber Rindfleisch wird einem quasi hinterhergeworfen.

Und ein riesiger Unterschied ist diese Weite. So wenig los auf den Straßen, ich war versucht, LKWs zu grüßen. Ich denke das ist auch der Grund für dieses unglaublich nette Überholverhalten15: wenn einer aufläuft, wartet er brav in mehr als ausreichendem Abstand bis zur nächsten Passing Zone, wechselt dann ganz auf die andere Spur und schert erst mit weit ausreichendem Abstand nach vorne wieder ein. WOW. Begeisterung.

Nach der Apotheke besorge ich mir noch2 was zu trinken und zu futtern, dann geht es am sehr frühen Nachmittag wieder ins B&B. Heute weiterfahren ist nicht sinnvoll, mein ursprünglicher Plan, Jasper und Banff, kommt jetzt schon zeitlich nicht mehr hin, zudem ist das Wetter hier schon unschön, und ich will nicht bei 5°C bibbernd durch den Nationalpark fahren. Ich gönne mir nochmal eine Dusche, stelle fest, dass meine Arme zu kurz sind um an die Stiche am Rücken zu kommen, dann betrachte ich staunend meine Hand, die richtig fies angeschwollen ist, und deren Stiche lustig das Nässen anfangen.

Hoffentlich legt sich das bis morgen. Als nächstes breite ich mich und meine Karten an und auf dem Tisch aus, und plane die weitere Strecke. Mittwoch will ich in Nelson sein, da hat mir ein weiterer ADVer ein nachtlager auf frisch gesaugtem Teppich angeboten. Mit dem Campingführer als Hilfe denke ich, dass es ja am besten wäre, Dienstag bis Vernon oder Lumby zu fahren, und am nächsten Tag dann weiter nach Nelson, so wäre die Strecke in zwei ungefähr gleich große Abschnitte geteilt. Zufrieden mache ich mich daran, in die mitgebrachte Karte die bisher gefahrene Strecke einzutragen16. Danach sprühe ich mich Off ein, nehme mein Buch und setze mich in die Sonne. Und dann gehe ich Mücken jagen. Heissa, macht das Spaß, den Arm langsam an eine sitzende Mücke heran zuschieben, und zu beobachten wie sie ab ca. 20 cm Abstand hektisch flüchtet! Dann kommt eine nachricht von Phil: Er hat sich im Urlaub gewaffelt und jetzt starke Schmerzen in der Schulter. Args!

Andre und Jasmin kommen erst nach dem Stanley-Cup Spiel wieder zum B&B, sie hatten sich das Spiel im Pub angeschaut, Vancouver hat verloren. Ich hatte mittags festgestellt, dass ich ein kompletter Vollhonk bin. Ich hatte schon nach Vancouver einen richtigen17 und einen falschen18 Adapter mitgenommen, auf die Tour hatte ich dann nur einen der beiden Adapter mitgenommen. Südeuropa. Ich VOLLHONK. Andre hat aber glücklicherweise zwei Adapter dabei, da leihe ich mir einen, um den Akku meiner Kamera wieder vollzuladen. Und dann geht’s auch schon wieder ins Bett, Frühstück morgen gibt’s wieder um 8.

  1. holländische Minipfannkuchen, die mit Butter und Puderzucker gegessen werden []
  2. kratz [] [] [] [] [] [] [] []
  3. oder 5? []
  4. Olaf []
  5. Marieke []
  6. Hauptsächlich Marieke []
  7. Für existierende []
  8. Zur Prohylaxe weiterer []
  9. Kamloops []
  10. Auto- []
  11. Pumpspray []
  12. vom Apotheker ausgehändigt []
  13. das auf dem Schild +20 []
  14. Irgendwas in der Klasse Gorgonzola, Rohmilchcamembert, Geyerzer, also was mit Geschmack []
  15. Ich hatte kein Budget für Tickets, drum hab ich mich weitestgehend an die Geschwindigkeitsbegrenzung gehalten und wurde von allem möglichen überholt []
  16. und im frisch gekauften kleinen Block Notizen zu den vergangenen Tagen zu machen, damit ich nicht die Hälfte wieder vergessen habe, bis ich daheim bin []
  17. Kanada, Nordamerika []
  18. Südeuropa []

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