It’s Storytime…

Posted by – 9. Juni 2011

Um 7:15 beginnt die Vorbesprechung für die Vortragssessions. Gut, dass ich gestern beim Wein zurückhaltend war, so bin ich nur müde. Das ist auch gar nicht so unpraktisch, so habe ich weniger Energie um aufgeregt zu sein. Es gibt „Frühstück“, ich beschließe auf den Kuchen mit Karottenraspeln zu verzichten und trinke nur einen Tee. Um 8 beginnt dann unsere Session, als erstes ist Exkollege Mare dran, dann komme ich. Leider ohne die praktische Maus/Laserpointerkombi von meinem Prof, die hat er nämlich vergessen. Muss ich halt in der Nähe des Laptops bleiben zum Weiterklicken, da komme ich aber auch mit zurecht. Das Thema kenne ich in- und auswendig, ich habe die Daten auch schon etliche Male präsentiert, also komme ich recht schnell in den „Ich erzähl euch jetzt ne echt coole Geschichte“-Modus1, in dem mich nur zwei Dinge irritieren:

  1. Kollege Gonzales grinst2.
  2. Ich habe in einer Folie vergessen, den Kommentar3 meines Profs zu löschen4.

Nach ein paar eher unproblematischen Fragen bin ich FERTIG! und habe es mal wieder überlebt.

In der Mittagspause treffe ich Daniel, einen Kumpel von Kollege Morer, der auf unserer Couch nächtigen wird, und nach der Konferenz mit Andi und einem Mietwagen noch anderthalb Wochen durch Kanada fährt.5

Abends dann die berühmte super Party, zu der wir unbedingt Karten holen sollten, weil das ja immer so toll ist. Naja, die Location war im Prinzip ganz nett6 , das Essen auch recht lecker7, dafür bekam jeder nur zwei Getränke8 und es herrschte ein eklatanter Mangel an Leuten zum Unterhalten, die ich nicht täglich in der Arbeit sehe. Um zehn hauen wir ab und gehen zurück in die Wohnung.

Donnerstag war dann auf der Konferenz relativ unspektakulär, abends wollten wir in Downtown noch lecker was essen gehen. Wir sehen ein Schild „Gotham Steakhouse“, ein Batmanrestaurant, auja! Kaum sind wir drinnen kommen mir auch schon die ersten Zweifel. Dunkel, schummrige Beleuchtung und die Frage, ob wir nur Cocktails oder Abendessen wollen. Noch bevor ich sagen kann „Jungs, das könnte etwas oberhalb unserer Preisklasse liegen“, kräht auch schon einer, wir wollen Essen und wir werden in den Speiseraum an einen Tisch geführt, setzen uns erst auf die Stühle bzw. Bank, versinken dann darin und bekommen9Wasser eingeschenkt und Karten in die Hand gedrückt. Naja, jetzt ist es wohl zu spät. Ein Blick in die Karte lässt mir die Haare zu Berge stehen, das günstigste Hauptgericht ist Lachs für 30$. Ich entscheide mich für ein New York Strip Steak, medium bis medium rare gebraten, als Beilagen10 einigen wir uns auf Hash Browns11 und gebratene Pilze. Das Steak ist einfach nur wundervoll, so lecker hab ich noch kein Rind zubereitet erlebt, außen kross, gut gewürzt und innen exakt so wie es wollte. Das Dessert verkneifen wir uns, ich möchte nur einen Tee. Und der brachte die nächste Überraschung: Ein Kännchen mit einem Lipton-Teebeutel drin. Das können sogar die Coffeeshops besser12, dachte ich mir. Und dann probierte ich einen Schluck des fertigen Gebräus und stellte fest: Das kann unsere Mensa genausogut! Der „Tee“ schmeckt, so unglaublich das für eine Flüssigkeit scheinen mag, staubig, trocken. Als hätte man eine Tischlerei ausgefegt und den Jahrzehnte alten Staub in den Teebeutel gefüllt. Ich schätze, dass da kaum einer Tee bestellt und die Beutel deshalb seit Jahren offen im Regal stehen, aber ganz ehrlich: bei den Preisen die die für alles aufrufen, kann man locker alle 6 Monate den überalterten Tee wegwerfen und sich für 5$ oder weniger eine frische Packung ins Regal stellen. Will man das nicht, beantwortet man die Frage nach Tee mit einem bedauernden „Haben wir nicht“, das ist besser als diese Frechheit. Als dann die Rechnung kommt und wir bezahlen, scheint der Ober etwas angepisst ob der 10% Trinkgeld, die wir wir später herausfinden etwas niedrig sind13. Aber ich finde, allein für den Tee hat er auch nicht mehr verdient. Und so wirklich zufrieden war zumindest ich mit seiner etwas herablassenden Art auch nicht. Egal, heim geht’s, für den nächsten14 Konferenztag nochmal ausschlafen.

  1. Geschichten erzähle ich gern, und meist ohne jegliche Nervosität []
  2. das lässt sich recht einfach mit woanders hinschauen lösen []
  3. „maybe use another variable name“ []
  4. Das entlockt mir ein „oops, sorry for that!“, und wird dann großzügig ignoriert, es verdeckt glücklicherweise nicht die Daten. []
  5. Nein, mich anzuhängen war keine Option, die zwei fahren DoseAuto []
  6. eine drehende Plattform mit nettem Blick über Vancouver, leider mit etwas wenig Sitzgelegenheiten, meine Füße schmerzten immer noch wie die Hölle beim Laufen oder Stehen []
  7. Bis auf den eklatanten Mangel an edlem Käse []
  8. Also, eigentlich bekam jeder zwei Kärtchen, wie auf Vereinsfesten, die dann gegen Getränke eingetauscht werden konnten []
  9. Eis- []
  10. Die sind bei den Preisen noch nicht dabei! []
  11. Kartoffelpuffer []
  12. Wie ich später noch feststellen durfte, gibt es bei Starbucks wunderbaren Tee. Zwar keine große Auswahl, aber der ganz normale Schwarztee ist ein Blatttee, der durchaus mundet. []
  13. üblich sind 15-20% []
  14. halben []

1 Comment on It’s Storytime…

  1. […] Konferenzmittwoch und Donnerstag […]