Ein Wasserauto….

Posted by – 3. Dezember 2009

Will meine „Lieblings“-verdummungsfernsehsendung nachbauen. Die Internetseite verspricht eine sensationelle Spritverbrauchsreduktion um 50% und die Anleitung kostet „nur“ 35€. Wieso ihr tolles Konzept noch nicht überall eingesetzt wird, wird auch schlüssig erklärt:

Mit einer Verschwörung der großen Ölkonzerne.1

Wie das ganze funktionieren soll, erscheint mir dann doch „etwas“ suspekt: Wasser wird elektrolytisch aufgespalten und im Motor wieder verbrannt.

Na, woher kommt der Strom und damit die Energie für die Elektrolyse? Genau, aus der Batterie. Und woher kriegt die Batterie ihre Energie? Von der Lichtmaschine, die wiederum von der Kurbelwelle angetrieben wird. Angetrieben von der bei der Verbrennung freiwerdenden Energie. Da kommt dann die Energieerhaltung ins Spiel: Es ist unmöglich, mehr Energie rauszubekommen als man reingesteckt hat. Das Ding ist ein Perpetuum Mobile und die funktionieren nicht, Ende aus, Micky Maus.2

Einfach mal kurz überschlagen: Laut der Webseite wird der „Elektrolysator“ mit einer 5A -Sicherung abgesichert. Klemmt an der Batterie mit 12V.
Elektrische Leistung ist Stromstärke (5A) mal Spannung (12V): 60 mickrige Watt. 1 PS ist übrigens 0,74 kW. kiloWatt. 750 Watt. Und von diesen PS braucht man ja bekanntlich einige um ein heutiges Fahrzeug zu betreiben. Meine KLE z.B. hat 33kW,  mein Auto 63kW.

60W <->6300W. Irgendwie ist das nicht so recht plausibel.

Pluspunkte für $Sendung:

  • Ihnen ist aufgefallen, dass das mit den 50% nicht stimmt, sie hatten beim ersten „Versuch“ 10%, danach gar keinen geringeren Spritverbrauch.3
  • Sie haben auf die Gefahren hinweisen lassen, die entstehen, wenn man Knallgas unter der Motorhaube hat.4
  • Ihnen ist aufgefallen, dass die „Erfahrungsberichte“ auf dieser Webseite mehr als fragwürdig sind.

Minuspunkte, nicht nur für $Sendung:

  • Niemand hat erwähnt, dass es schlicht nicht sein kann, dass das funktioniert. Wieso muss man so einen offensichtlichen Schwachsinn überhaupt ausprobieren? Ingenieure5, ADAC-Experte6, keiner sagte einen Ton davon, dass es sich hier um ein Perpetuum Mobile handelt. Naja, der Mystery-Zweig macht ja auch Sendungen darüber ob es Vampire und Werwölfe tatsächlich gibt.

Ich glaube, es reicht wieder für ein paar Wochen. So lang wird es dauern bis sich meine Zehennägel wieder runtergerollt haben.

  1. Merke: Wer etwas ganz tolles erfunden haben will, das die Menschheit bereichern könnte, aber durch eine Verschwörung davon abgehalten wird, das allen zugute kommen zu lassen, ist seltennicht ernstzunehmen. []
  2. Auch wenn laut der Webseite ein Zusatzstoff drin ist, der es möglich machen soll. Es gibt keinen Stoff, der physikalische Gesetzmäßigkeiten aufheben. Es mag Stoffe geben, die einem das vorgaukeln. Das führt dann zu den berühmten LSD-Nutzern, die aus dem Fenster springen weil sie denken sie können fliegen. []
  3. Die Darstellung war allerdings unter aller Sau, in der Art von „Oooh, eine Ersparnis! Wenn auch nicht so groß wie angekündigt. Und auch wenn sie nicht reproduzierbar war.“ *soifz* []
  4. namentlich Explosionen und Feuer []
  5. Sie waren beim Rennteam der TUM, und die haben das Ding eingebaut statt, wie es sich gehört hätte, sich wiehernd auf dem Boden zu wälzen. []
  6. Wofür genau weiß ich nicht mehr []

3 Comments on Ein Wasserauto….

  1. ronald78 sagt:

    Hallo,

    interessante Kommentare.

    Der Umbau funktioniert wie beschrieben.
    Wer sich auf den Fernsehbericht bezieht:

    Eine Anfrage des Senders oder der Produktionsfirma hat es nie gegeben. Der Bericht geht nicht im geringsten auf die Funktion ein, es wird lediglich hintergrundslos zerrissen, mit Argumenten die nicht halten. Die Eintragung und Prüfung einer Gasanlage kostet 48€. Für eine ähnliche Eintragung ruft der „Experte“ im Video 1000€ auf, ohne zu beschreiben wofür diese Kosten entstehen sollen. Ebenso wir von 500€ Einbaukosten gesprochen, da wird wohl von einem Stundensatz von 250€ ausgegangen (das verlangt selbst Ferrari nicht).

    Der Bericht ist ein wundervolles Beispiel für die Zensierung der Medienlandschaft.

    Ein Angebot meinerseits an diese und weitre Produktionsfirmen (produzieren u.a. Gallileo und Welt der Wunder) ein Fahrzeug vom TV begleited umzubauen und den Beweis anzutreten, das es funktioniert, wurde kurz mit „kein Interesse“ kommentiert.

    Dieses Angebot inkl. Antwortschreiben habe ich online veröffentlicht, die Seite wurde aber per Unterlassungsklage schnell „gesperrt“.

    Nun noch das Argument bzgl. des Energieerhaltungssatzes:

    Dieser triff wohl auf Mechanik zu, nicht jedoch auf Gase und die darin gespeicherte Energie.

    Wie sonst sollte ein normaler PKW fahren?
    Dort wird mittels eines kleinen Funken Benzin entzündet, welches Energie frei setzt die so groß ist, dass das Fahrzeug fährt.

    Woher kommt die Energie des ersten Funken? Aus der Batterie….

    Ein mit der Wasserauto24 umgebauten Technik ist genau so wenig ein Perpeduum Mobile wie ein normales Auto. Beide brauchen Treibstoff (und die darin gespeicherte Energie). Ein Fahrzeug nach dem Umbau benötigt etwas Energie aus der Batterie um Wasser in seine Bestandteile Wasserstoff und Sauerstoff zu zerlegen.

    Es ist weithin bekannt, dass es weniger Energie bedarf, Wasser in seine Bestandteile zu zerlegen als bei der Verbrennung von Wasserstoff (was eine andere, weitere chemische Reaktion ist) frei gesetzt wird.

    Warum dieses einfach System noch nicht in allen Fahrzeugen vorhanden ist?

    Bei ca. 200.000.000.000 Liter Benzin und Diesel die in Deutschland täglich verbraucht werden, ergäbe eine nur 20%ige Einsparung bei ca. 89cent pro Liter Steuern und ca. 35cent Benzinpreis grob gerechnet einen Einnahmenverlust von ca. 1.068.000.000€ an Steuern und ca. 420.000.000€ an Benzinpreis pro Monat!!!

    Kommen Ihnen nun ein paar Gedanken, warum immer wieder versucht wird, Techniken die den Verbrauch mindern zu unterdrücken?

    Lesen Sie die Anleitung und Ihnen werden die Augen geöffnet – das verspreche ich Ihnen!
    Gern gewähre ich jedem Leser eine 1monatige Geld-zurück-Garantie!

    Ach übrigens, selbst die Verfasser des TV-Berichtes haben eine Ersparnis von 10% erreicht – und das obwohl sie ja beweisen wollten, dass es nicht geht…

    Wem Sie als glauben ist letztendlich allein Ihnen überlassen.

    Ich wünsche ein schönes Wochenende.

    MfG
    Keszler

  2. die maschinenbäuerin sagt:

    Du meine Güte. Wenn es schon mit „Zensur“ (so heißt das übrigens richtig) anfängt.
    Wo fange ich denn an? Am Besten hier:

    Nun noch das Argument bzgl. des Energieerhaltungssatzes:
    Dieser triff wohl auf Mechanik zu, nicht jedoch auf Gase und die darin gespeicherte Energie.

    FALSCH.
    Der Energieerhaltungssatz ist ein grundlegendes Prinzip in der Physik. Energie kann nicht erzeugt sondern nur umgewandelt werden. Chemische, mechanische, thermische Energie, alles zusammen bleibt in der Summe gleich (solange nukleare Reaktionen mit Unwandlung von Masse in Energie außer acht bleiben, und auch dort kann nur Masse in Energie umgewandelt werden, die Energie entsteht nicht aus dem Nichts).
    Allein diese Aussage lässt mich allerdings daran zweifeln ob eine sachliche Diskussion hier überhaupt sinnvoll ist. Aber spes postremo moritur.

    Woher kommt die Energie des ersten Funken? Aus der Batterie….

    Die vorher aufgeladen wurde. Sie entsteht also nicht aus dem Nichts. Energieerhaltung.

    Es ist weithin bekannt, dass es weniger Energie bedarf, Wasser in seine Bestandteile zu zerlegen als bei der Verbrennung von Wasserstoff (was eine andere, weitere chemische Reaktion ist) frei gesetzt wird.

    Nein. Das ist nicht nur nicht weithin bekannt, es ist noch dazu völlig falsch. Bei der Verbrennung von Wasserstoff wird die Bindungsenergie zwischen Wasserstoff und Sauerstoff frei. Und das ist genausoviel, wie es (bei einem nicht erreichbaren Wirkungsgrad von 100%) braucht, um diese Verbindung wieder aufzuspalten, wie jeder Chemiker dieser Welt (und wahrscheinlich auch viele Neuntklässler) weiß.

    Warum dieses einfach System noch nicht in allen Fahrzeugen vorhanden ist?

    Nun, ich würde sagen, aus dem gleichen Grund, aus dem auch diverser Magnetquatsch und Ölzusätze nicht in allen Fahrzeugen vorhanden sind: Es funktioniert nicht, entbehrt jeglicher physikalischen Grundlage.

    Kommen Ihnen nun ein paar Gedanken, warum immer wieder versucht wird, Techniken die den Verbrauch mindern zu unterdrücken?

    Und schon wieder die Verschwörungstheorie. Glauben Sie auch an die Illuminaten?

    Ach übrigens, selbst die Verfasser des TV-Berichtes haben eine Ersparnis von 10% erreicht – und das obwohl sie ja beweisen wollten, dass es nicht geht…

    Selektive Wahrnehmung ist was Feines, nicht wahr? Bei _einer_ Fahrt trat eine Ersparnis auf, die in weiteren Fahrten nicht reproduzierbar war. 1,5l können durchaus auch darauf beruhen, dass die Zapfsäule einfach zu früh abschaltet. Sowas kann auch zu 10l Unterfüllung führen, hatte ich erst vor einer Woche. Der ganze „Versuch“ hat keine große Aussagekraft, da er methodisch unter aller Sau ist (_Eine_ Fahrt ohne Wundereinbau, wie will man da statistische Schwankungen, z.B. durch Gegenwind, berücksichtigen?), er ist allerdings auch unnötig.
    Genau wie ein Versuch unnötig wäre, ob eine Batterie, die einenMotor und einen Generator, der die Batterie wieder lädt, die den Generator antreibt….(das klassische PM), ewig läuft. Es kann genausowenig funktionieren

    Wem Sie als glauben ist letztendlich allein Ihnen überlassen.

    Ich habe also die Wahl zwischen:
    – Jemandem glauben, dass sein Perpetuum Mobile, das angeblich keins ist, funktioniert, der offensichtlich wenig Ahnung von Physik und Chemie hat, dafür an eine Verschwörung gegen sich glaubt, oder
    – Mich an Schulstoff der siebten und zehnten Klasse zu erinnern, an elementare Prinzipien, ein wenig logisch nachzudenken und zu dem Schluss zu kommen, dass es nicht funktionieren kann.
    Nun, diese Entscheidung fällt mir nicht schwer.