Piv? Pav!

Posted by – 18. Dezember 2008

Piv? Pav!

Letzte Woche klingelte das Telefon. Kollege Markusdörfer war dran. Ich wäre doch bei der Inbetriebnahme des PIV-Systems beim Justieren des Lasers dabeigewesen, ob ich mir zutraue, das zu machen, die beiden Laser wären alles andere als deckungsgleich. Naja, so schwer sah das nicht aus, und das Prinzip ist klar: Abdeckung abnehmen, Sicherheitsschalter mit Klebeband manipulieren1 und dann horizontal und vertikal verstellen.Das Problem dabei ist, dass man mit dem Abnehmen der Abdeckung den Bereich freilegt, in dem unsichtbare Laserstrahlung unterwegs ist2. Vor der schützen auch die schicken roten Schutzbrillen nicht, weil falsche Wellenlänge. Da wir da einen Klasse4-Laser stehen haben, heißt das einmal blöd reingeschaut oder eine unerwartete Reflexion an den zum Einstellen benötigten Schraubendrehern  und goodbye Augenlicht. Nein, Leute, so nicht, das ist mir zu gefährlich.

Also erst mal aus der schwarzen Pappe für die Ölanstrichbilder3 eine provisorische Umhausung gebastelt, mit Löchern da, wo man zum Einstellen eben ranmuss, Und gleich war mir viel wohler. Dann das Ganze noch mal angeschaut, ok, klar wie das gehen soll, nämlich so:

Der Spiegel für den Strahlengang des zweiten Lasers ist auf einer4 höhenverstellbaren Platte auf einer drehbaren Aufnahme befestigt. Mit der drehbaren Aufnahme wird der 2. Laser horizontal ausgerichtet. Und diese Ausrichtung ist das Problem. Die Aufnahme wird über eine Schraube in einem Langloch fixiert. Das Langloch ist so dimensioniert, dass sich die Aufnahme um ca. 60° drehen lässt. Dummerweise brutzelt man, wenn man den Bereich auch nur zur Hälfte ausnutzt, mit dem5 Laser fast ein Loch in die glücklicherweise vorhandene provisorische Abdeckung.Merken tut man das einem seltsamen Geruch nach verschmort und seltsam tackernden Geräuschen.

Wenn man diese Geräausche kurzfristig ignoriert, findet man durch beherztes hin- und herdrehen des Spiegels eine Position, in der nichts tackert oder stinkt. Von der ausgehend kann man den Spiegel dann gaaanz vorsichtig so weiterdrehen, dass man den Laser wieder sieht, weil er zumindest grob wieder da an- und rauskommt, wo er soll. Danach wischt man sich den Angstschweiß von der Stirn, zieht die Schraube wieder ein klein wenig fest und nähert sich dann in kleinsten Schrittchen mit Laser 2 an Laser 1 an.

Zum Ausrichten benutzten wir übrigens den oben sichtbaren orange lackierten Deckel, auf dem wir die Laser gut beobachten konnten6. Den mussten wir des öfteren ein Stück drehen, weil es „Paff“ machte, und wieder ein Stück Farbe verdampft war.

pav3

Nach 2 Stunden, vielen Flüchen und einem heftigen Schreck7 war der Laser dann justiert, der Kollege konnte weitermessen und ich ging zu unserem Meistermechaniker, damit er mir was baut, um das Ganze leichter zu machen. Wir sind uns schon fast einig, ich muss ihn nur noch davon abbringen, am Originalgehäuse rumzuschnibbeln.

  1. dafür sind die Schalter da []
  2. Das Licht, das aus dem Gehäuse rauskommt, ist grün, mit einer Wellenlänge von ca. 500 nm. Aus dem Laser selbst kommt aber Licht mit einer Wellenlänge von ca. 1000 nm. Kurz vor dem Austritt aus dem Gehäuse ist ein kleiner Wunderkasten, der die Wellenlänge des Lichts verdoppelthalbiert (Dank, Frank). []
  3. darüber gibt es sicher auch mal einen Artikel, aber erst wenn ich mal damit gearbeitet habe []
  4. mit 3 Madenschrauben schön fein []
  5. in diesem Bereich unsichtbaren []
  6. trotz Schutzbrillen []
  7. der sich aber legte, als ich feststellte, dass ich nur darum auf dem linken Auge so schlecht sah, weil die Schutzbrille beschlagen war []

6 Comments on Piv? Pav!

  1. Wuestling sagt:

    Wellenlänge von 1000 auf 500nm ver_doppelt_? *grins*

    Oder untersucht Ihr Upconversion?

    • die maschinenbäuerin sagt:

      örx, Frequenz verdoppelt, Wellenlänge natürlich halbiert. Aber eigentlich wollt‘ ich ja nur wissen, ob jemand so weit liest *flöt*

  2. ein $Kollege sagt:

    Gut formuliert … habe selten so einen Schreck bekommen, wie als es plötzlich zu stinken anfing 🙂
    Aber alles wieder gut und zum Glück auch die letzte Justieraktion für diese Messkampagne. Danke nochmal für die Hilfe!

    • die maschinenbäuerin sagt:

      Frag mich mal, ich hab schon überlegt, wie ich $Chef erklären soll, dass wir einen neuen PIV-Laser brauchen 😉
      Und die nächsten Justierungen werden ja hoffentlich mit Spezialjustierdeckel vom Meistermechaniker deutlich entspannter ablaufen. Nur werden wir irgendwann den Deckel neu lackieren müssen, fürchte ich. 🙂

  3. ein $Kollege sagt:

    Das mit der Deckelfarbe wird nicht das Problem sein, ich kenn da nen Schrank, da stehen noch 5 volle und eine halbleere Dose Farbe in *pieeeep* … lassen wir das …
    😛
    Ich vermache sie dir gerne 🙂