Große Inspektion Teil 1

Posted by – 26. Juli 2009

Große Inspektion Teil 1

Der KLE-Tacho geht stramm auf die 24Mm-Marke zu, was bedeutet: große Inspektion. Mit allem Drum und Dran inklusiv Ventile einstellen. Das wiederum bedeutet, der Kawa-Händler hier ums Eck will gut 300 Euro dafür. Das, meine schwäbischen Gene und die Überzeugung, dass ich, wenn ich sowas1 nicht selbst hinkriege, besser mein Diplom wieder zurückgebe wiederum bedeuten: Selbermachen. Und was bietet sich dafür besser an als ein Samstag mit sehr instabilem Wetter? Eben.
Also ließ ich gestern früh erstmal den lang bestellten Vorderreifen aufziehen2, um dann wieder heimzufahren, um zu schauen, was ich denn a) neben den schon gelieferten Teilen von ks-parts noch brauche, b) eigentlich alles machen muss und c) ob mein Werkzeug ausreicht. So ein neuer Vorderreifen ist super. Vor allem wenn er mit 2,4 statt 1,9 bar befüllt ist. Lenkerschlagen ade.

Große3 Überraschung : Zum Ventile einstellen braucht man Fühlerlehren. Die ich mir eigentlich am Freitag in der Arbeit ausleihen wollte, aber leider vergessen habe. StreichenVerschieben wir also Ventile Einstellen. Zum Reinigen des Kühlflüssigkeitsfilter4 muss die Kühlflüssigkeit abgelassen werden, und da braucht es eine neue Dichtung. Die hab ich natürlich nicht. Luftfilter reingen und ölen -> Lösemittel und frisches Öl. Ähm… ok, ich schau ihn mir erstmal einfach an. Nach der Kontrolle des Ansaugluftventils5 muss eine Dichtung6 ersetzt werden. Ok, wir verschieben also auf demnächst: Ventilspiel, Kühlmittelfilter, Ansaugluftventil.

Schwingenlager kontrollieren und fetten. Seufz. das hätte man ja beim Kettenwechsel erledigen können. Och nöö, heute keine Lust wieder alles zu zerlegen. Den ganzen Kettenkruscht kann ich mir mit einer 2 Wochen und 500 km alten Kette sparen. Bremsbeläge hab ich erst vor kurzem getauscht/kontrolliert, Bremsflüssigkeitswechsel und Bremsschlauchkontrolle haben sich mit dem Einbau der Stahlflex vor einigen Wochen auch erledigt. Seitenständerschalter, Killschalter, Gas- und Kupplungsspiel hab ich eh immer im Blick, muss also auch nicht. Lichter brennen auch alle. Umlenkhebel und Spurstangen hab ich mir desöfteren schon angeschaut, sind in Ordnung.

Bleiben für heute: Zündkerzenwechsel, Ölwechsel, Luftfilter reinigen, Kette schmieren und Spannung überprüfen. Und natürlich der Einbau einer Benzinschlauchschnelltrennkupplung7. Also alle notwenigen Seiten8 ausgedruckt, das Werkzeug aus der Dose holen, das ich seit einiger Zeit spazierenfahre und ab zu Touratech, bei $Süßer noch einen Kanister Öl holen.9

Überraschung! $Süßer will nach der Arbeit erst noch zum BMW-Sommerfest. Danach geht’s aber in die Werkstatt, und weil die KLE grad so schön warmgelaufen ist, wird der Ölwechsel als erstes in Angriff genommen. Also Motorschutz ab10, Ablassschraube geöffnet11, und dem Öl beim Rauslaufen zugeschaut. Sieht gut aus, eher braun als schwarz, kein Benzinduft, fein. Die KLE noch ne Weile senkrecht halten12 bis nur noch hin und wieder ein „Plitsch“ oder „Platsch“ aus Richtung Ölauffangwanne zu hören ist und dann flugs die Ablassschraube wieder reingedreht. Auf zum Ölfilter. Erstmal mit der Hand versuchen. Keine Chance. Ölfilterschlüssel? öööööh… die Dosenwerkstatt nebenan vielleicht? Jaa, sie haben. Dummerweise rutscht der Schlüssel auf dem Ölfilter durch. Mpf. Anderen Ölfilterschlüssel? Nää. Keine Chance. Was jetzt? Den Ölfilter nicht zu wechseln kommt gar nicht in Frage, also kommt die alte Pfuschermethode zum Einsatz:
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Jetzt sollte es aber recht einfach gehen, oder? Fehlanzeige, gelöst wird der Filter dann durch beherztes Auf-den-Schraubendrehergriff-Treten. Toll, Kawa-Streck. Das habt ihr echt super gemacht. Handfest werden solche Ölfilter angezogen. Grummel. Naja, alles leerlaufen lassen, neuen Ölfilter einölen, anschrauben13 und dann mal frisches Öl einfüllen. *glugglugglugglugglugg* 2,5 l. 3l gehören laut WHB rein, also jetzt erstmal senkrecht stellen und auffüllen bis zum oberen Schauglasrand. Dann einmal laufen lassen, Motorschutz wieder anbauen und aufbocken14.

Jetzt kommen Sitzbank, Seitenverkleidung und der Tank runter. Die Schlauchklemmen treiben mich wal wieder an den Rand des Wahnsinns, bis Phil mein Fluchen nichtmehr erträgt und wir tauschen. Er kriegt den Benzinschlauch auch ab, rennt aber sofort ans Waschbecken, weil bei der Aktion ein Tropfen weg und ihm direkt ins Auge spritzte. Zum Glück ist nach einer Minute Wasser alles wieder gut. Nach dem Tankabbau die erste große Erkenntnis: Das „Ram-Air“ ist tatsächlich eine Riesenlachnummer, treffender beschrieben wäre es mit „Dreck unter den Tank pust System“:

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Apropos pust. Vor dem Ausbau der Kerzen wird der Kompressor angeworfen und die Vertiefungen in denen die Kerzenstecker sitzen, ausgeblasen. Kommt da eine Wolke raus! Kerzenstecker abziehen15, nochmal reinpusten, und dann feststellen: Da ist verdammt wenig Platz. Der Kerzenstecker aus dem Bordwerkzeug passt aber unter die Schläuche, die dran sind, und mit nur leicht verknoteten Fingern16 kriegt man die Kerzen dann auch raus. Sehen beide gleich verdreckt aus, allerdings ein bischen schwarz vorne. Normal, oder vielleicht etwas zu fett eingestellt? Hmm. Ein wenig Korrosion ist an der ehemals linken Kerze17 auch zu erkennen. Also gut. Die neuen Zündkerzen einbauen. WHB sagt „anziehen mit 14 Nm“. Zündkerzenpackung sagt „einschrauben bis sie aufsitzt, dann noch eine halbe Umdrehung“. Da ich genau gar keine Chance habe, da einen Drehmomentschlüssel anzusetzen, glaube ich der Packung. Als nächstes nehme ich ein Tuch und eine Dose WD40 zur Hand. So kommen mir die Kerzenstecker da nicht wieder drauf. Außen abwischen, einen guten Schuß WD40 auf den Kontakt und aufstecken. Als nächstes ist der Luftfilter dran, nach 4 Schrauben hab ich ihn in der Hand und beschließe, der sieht noch gut aus.

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Fein. Bleibt nur noch der Einbau der Benzinschlauchschnelltrennkupplung18. Das ist ein klasse Ding, einfach auf nen Knopf drücken und *sproing* springt es auseinander. Also mal schauen. Wo passt es in den vorhandenen Schlauch rein? Aaah, hier. Ein Stück rausschneiden, die Kupplung an die verbleibenen Teile anstöpseln und mit Schraubklemmen sichern.

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Tank anbauen, dabei fast die Finger brechen, und- MIST. Knick im Schlauch. Doch zu viel rausgeschnitten. Und jetzt? Aaah, da liegt noch ein passender Schlauch. Der wird ungefähr so viel länger zugeschnitten, wie ich vorher rausgeschnitten habe. Und siehe da, es passt wunderbar. Bevor wir alles zusammenbauen, noch kurz ausprobieren, ob sie anspringt. Jupp, tut sie. Bei der Gelegenheit schalte ich grad mal in den ersten Gang und fette die Kette. Das bringt mir natürlich Schelte ein. Das ist gefährlich, da kann man sich die Finger abreißen. Ja, wenn man blöd ist und keinen Abstand mit den Fingern hält. Aber wenn Du erschrickst und zur Kette hin zuckst. Erstens erschrecke ich nicht, und zweitens zucke ich wenn, dann von der Kette weg. Das ist gefäääährlich, lass das! Na gut. Ich machs nie wieder.19 Nachdem das auch geklärt ist, wird alles wieder angebaut und die KLE wieder auf den Boden gelassen. Kurze Kontrolle, die Kettenspannung liegt noch im richtigen Bereich. Jetzt könnte man noch Fahrwerksteile schmieren und Schrauben kontrollieren. Och nö, lieber alles aufräumen, heimfahren und ab in die Badewanne.

  1. entsprechendes Werkzeug vorausgesetzt []
  2. Den Hinterreifen hatte ich zwar gleich mitbestellt, aber der alte hat noch gut 3mm, also lagert der weiter beim Reifenhändler, bis ich ihn brauche. []
  3. Achtung, Ironie []
  4. der sitzt vor der Vergasertemperierung []
  5. ui, sowas hab ich? []
  6. die habe ich natürlich nicht []
  7. Ich hasse es, in beengtem Raum diese Schlauchklemmen abzunoddeln und dann auch noch evtl. festgeklebte Schläuche vom Benzinhahn abzuziehen []
  8. inkl. Anzugsdrehmomente, exkl. Dinge wie Ölwechselanleitung []
  9. Motul 10W50, eigentlich ist ja „“LKW-Öl“ 10W40 vorgeschrieben, aber besser schadet ja nicht. []
  10. der ist beim Ölfilter im Weg []
  11. hui, die sitzt aber fest []
  12. Ich brauche langsam mal wirklich nen Hauptständer []
  13. handfest []
  14. Weit aufbocken, dass ich mich nicht so weit runter bücken muss []
  15. iih, sind die dreckig []
  16. Zu Weihnachten wünsche ich mir ein Terrarium voll japanischer Montagewürmer []
  17. im Bild rechts []
  18. was ein Wort []
  19. Wenn Du es siehst []

6 Comments on Große Inspektion Teil 1

  1. […] dass man nur noch mit der Schraubenziehermethode weiter kommt, dann ist der Bastelspass garantiert. Aber davon hier mehr . Achja, BMW Sommerfest. Warum auch immer BMW es versaeumte eine Einladung auszusprechen, von […]

  2. Korrekte Maßnahme: Selbst wenn das Mopped halb zerlegt ist, Navi ist immer dran 😉

  3. FryingPan sagt:

    Ölfilter mit Schraubenzieher rausdrehen? Gibt das nicht eine Sauerei? Ich hab eine Rohrzange dafür genommen. Werkzeug für Grobmotoriker eben. 😉

    • die maschinenbäuerin sagt:

      Ein bischen Öl ist rausgelaufen, aber dafür stand ja die Ölwanne drunter. Rohrzange hat nicht gegriffen, keine Chance. Vielleicht wär so ein verstellbarer Ölfilterschlüssel noch eine Möglichkeit gewesen, hatte ich aber keinen. Schraubenzieher reindreschen funktioniert halt immer.

  4. […] auch funktionieren. Da muss ich wohl noch dran arbeiten. Letztes Wochenende habe ich ja mit der 24 Mm-Inspektion an der KLE angefangen, der Plan für diesen Samstag sah aus wie folgt: Beutekinder abholen, auf die […]