Category: Studenten
Liebe Übungsteilnehmer
Ja, es ist das erste Mal, dass ich die Übung halte.
Ja, das heißt, dass man mich mit Fragen in Verlegenheit bringen kann, wenn man will.
Ich gebe aber zu bedenken: Das kann ich in der Prüfung dann auch.
Meinjanur.
Zwischenstand
Spaß am Morgen
Prüfungseinsicht. Morgens um kurz vor 10 standen 5 Studenten vor der Tür. Eigentlich nix Wildes, einer hat tatsächlich noch den halben Punkt gefunden, der ihm zum Bestehen gefehlt hat.
Lustig fand ich die Fragen von Frau Bäcker:
“Wieso hab ich da keinen Punkt gekriegt?” – “Sie hätten die Messstellen und -Größen für $Versuch1 und $Versuch2 angeben sollen, sie haben das aber für $Versuch3 gemacht.” – “Ja, aber für $Versuch1 und $Versuch2 wusste ichs nicht’. Das stimmt doch für $Versuch3!” – “Ja, aber es ist nicht das, was verlangt war. Sie haben die Antwot auf eine Frage gegeben, die nicht gestellt war, dafür gibt’s keinen Punkt.” – “Aber das ist doch nicht falsch” – “Aber es ist nicht die Antwort auf die gestellte Aufgabe. Dafür gibt es keinen Punkt.” – *knodder*
10 Minuten später, wieder Frau Bäcker, zu einer anderen Aufgabe. Hier war gefragt, zu zwei gegebenen Geschwindigkeitsdreiecken die passenden Schaufeln zu skizzieren, also im Dokument hinter dem Link von Schritt 3 nach Schritt 2 zu gehen. Konnte sie nicht, hat stattdessen typische Geschwindigkeitsdreiecke für Turbine und Verdichter gezeichnet. Die waren ja auch nicht falsch, aber halt wieder nicht das was verlangt war. So entspann sich folgender Dialog:
“Was hätte ich denn da machen sollen?” – “Die Schaufeln skizzieren, die zu diesen Dreiecken passen.” – “Aber die Geschwindigkeitsdreiecke die ich gazeichnet haben, sind doch korrekt” -”Ja, aber waren nicht verlangt.” – “Aber das Praktikum ist doch dazu da, dass man nen Überblick kriegt, wie das funktioniert.” – “Trotzdem haben Sie nicht die Aufgabe gelöst.” – “Aber man sieht doch, dass ich das alles weiß!”1) – “Wenn Sie in der Matheprüfung eine Funktione integrieren sollen und das nicht auf die Reihe kriegen, sagen Sie sich dann ‘Naja, leite ich sie halt mal ab, dafür gibts sicher auch Punkte’?” – “Das ist ja was völlig anderes!” – “Nein, ist es nicht. Sie hatten eine Aufgabe, haben die nicht gelöst und kriegen dafür dann eben keine Punkte.” – “Und wenn ich da jetzt so Schaufeln reingemalt hätte, hätte ich den Punkt gekriegt?” – “Wenn Sie sie richtig eingezeichnet hätten, ja natürlich.” – “*schnaub*”
Jetzt sehen wir uns in ein paar Wochen nochmal. Hoffentlich wars das dann.
- Ähm, nein, sonst hätte sie die Klausur bestanden… [↩]
5!
In Worten: fünf Studenten haben es geschafft, durchs Praktikum zu rasseln. Weil sie die Klausur nicht bestanden haben. Der Herr Platz war leider nicht dabei, der hat genau eine 4,0 geschafft.
Ich frage mich wirklich, wie man es schafft, so eine Klausur zu versemmeln. Ein Triebwerksschema mit Ebenenbezeichnung1, ein Schema der Versuchsanlage2, ein Diagramm mit zwei offensichtlich blödsinnigen Messpunkten, bei dem sie sagen sollten, welche Messungen sie wiederholen würden, und weitere eigentlich geschenkte Punkte. Und fast ein Fünftel schafft es, nichtmal 45%3 der Punkte zu ergattern.
Und dann die Anrufe und E-Mails:
- “Ich habe gerade erfahren, dass ich eine 5 habe. Eine 5 heißt für mich Leistungsverweigerung. Ich war doch immer da.” -”Ja, aber Sie haben die Klausur nicht bestanden.” -”Aber ich war doch bei jedem Termin da und wir haben alle Ausarbeitungen abgegeben.” – “Das ändert nichts an der Tatsache, dass die Klausur auch bestanden werden muss.” – “Ja, und jetzt?” – “Schreiben Sie eine Nachklausur.”
- “Ich war gerade beim Prüfungsamt.4 Wie geht das denn jetzt weiter?5 Gibt es eine Nachklausur?” – “Ja, es gibt eine Nachklausur” – “Aaah, ich muss also nicht nächstes Jahr nochmal?” – “Nur, wenn Sie durch die Nachklausur fallen” – “Aah, dann ist ja alles gut, danke, tschüs!”6
- “Ich habe gerade erfahren, dass ich eine 5 habe.Mir ist nicht klar, wie so ein Ergebnis zustande kommen kann.”7
Bin ja mal gespannt wie das bei der Klausureinsicht wird.
- Das sind Antriebstechnikvertiefer, das sollte man doch eigentlich von Ihnen erwarten dürfen [↩]
- bei der alle Teile der Versuchsanlage schon in der Aufgabe standen [↩]
- einer nichtmal 30% [↩]
- Ah, noch einer von den fünfe(r)n [↩]
- Gedacht: Du wohnst im gleichen Haus wie der Platz, frag doch den [↩]
- ? [↩]
- Durch unterirdische Leistung in der Klausur [↩]
Das andere Ende des Prüfungsraums
Da stand ich die Woche. Meine Praktikumsteilnehmer hatten ihre Prüfung. So schwer war sie gar nicht. Trotzdem waren bei einigen deutliche Stressymptome zu erkennen: Nägelkauen, nervöses Lachen, verzweifelte Blicke, Köpfe, die schwer auf Hände gestützt waren. Und das, ob wohl ich vergessen hatte, mir Bubblefolie zu besorgen, sie hatten also nichtmal ein ständiges Knacken im Hintergrund zu ertragen.
Fast hätten sie mir leid getan. Aber hey, da musste ich auch mal durch, und wenn sie Ingenieure werden wollen, müssen sie sowas halt auch können. Trotzdem war ich froh, die Fragen ((“Ich hab aus Versehen die Linie in dem Diagramm durchgezogen, statt sie wie in der Legende gestrichelt zu zeichnen, was mach ich denn jetzt?” – “Ne eigene Legende. Sie dürfen auch gern Farben nehmen”) zu beantworten statt sie stellen zu müssen.
Lesen – Verstehen -Schreiben
Aus gegebenem Anlass mal ein Tipp an alle Studenten, die eine Praktikumsauswertung schreiben müssen, und eine Auswertung eines früheren Jahrgangs haben: Schreibt es nicht einfach ab. Sowas fällt auf. Zumindest manchmal. Und das wars dann mit der Auswertung, sowas wird als Täuschungsversuch gewertet und gibt ne fünf.1
Und Nein, “aber” durch “dennoch” zu ersetzen, Sätze aufteilen oder minimal umformulieren reicht nicht. Das ist trotzdem ein Plagiat, keine eigene Leistung. Klar, Vorlagen existieren, das wird man nie ausmerzen können, aber sinnvollerweise sollten die folgendermaßen benutzt werden:
- Eigene2 Auswertung machen, Diagramme etc. erstellen, sich selbst Gedanken machen.
- Die Vorlage durchlesen, verstehen was darin steht, mit den Ergebnissen der eigenen Gedanken vergleichen.
- Die Vorlage beiseite legen und die schriftliche Auswertung selbst machen.
Meinjanur.
Genau, genauer, ablesegenau…
Ich saß heute im Büro und quälte mich durch Praktikumsprotokolle. Und ich fragte mich, was, bzw. ob die Studenten beim Schreiben der Auswertungen gedacht haben.
Abgesehen davon, dass da munter die falschen Drücke eingesetzt, ganze Seiten aus dem Skript abgeschrieben1 und munter physikalische Größen umdefiniert2 oder verwechselt3, regte mich eins besonders auf. Was das war?
- und dann ausgerechnet die hergeleitete Formel falsch, alles andere Wort für Wort, das muss man auch erstmal hinkriegen… [↩]
- Ich erfuhr, dass 0,9552 bar 9552 Pa sind. Komisch, ich dachte immer, der Faktor wäre 100.000 [↩]
- Nein, meine Herren und Damen, wenn schon der statische Druck knapp ein Bar ist, ist der Totaldruck (Für die Laien: der ist nie kleiner, maximal, bei ruhender Luft, gleich) sicher nicht 1,schlagmichtot Pa (zur Erinnerung: 1 bar = 100.000 Pascal) [↩]
Musikauswahl
Heute Abend vor dem Büro gestanden, eine geraucht. Schallt aus dem gegenüberliegenden Studentenwohnblock ein Lied, mir unbekannt, mit dem Text “Sie hat ganzganz dickedicke Titten…. ich stell mir vor, ich fahr schlitten… auf ihren dicken Titten.” vielstimmig von Studenten begleitet. Und es war noch nichtmal dunkel, wie früh fangen die das Saufen an?
Eine halbe Stunde später lauf ich zur Dose, was kommt aus dem Studentenfenster? irgendwas mit “Riesenhupen”. Alles freigekratzt, aufgeschlossen, zum Sound der böhsen Onkels.
Unsre Studenten, immer wieder für ein Kopfschütteln gut.




